Urteile

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Unbefugte Geldabhebungen vom Girokonto müssen grundsätzlich von der Bank ausgeglichen werden – es sei denn, dem Kunden kann grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen werden. Das hat das Oberlandesgericht Frankfurt in einem spektakulären Fall geurteilt (Az. 17 U 62/24). Eine Sparkasse muss einem Kunden nun rund 220.000 Euro erstatten, nachdem Kriminelle eine abgefangene Debitkarte für hunderte illegale Transaktionen genutzt hatten.

Keine stillschweigende Zustimmung zu Banken-AGB

Aktualisiert: 27.10.20216 Min. Lesezeitvon Kristin Halle

In einem höchst brisanten Urteil für die Bankenwelt entschied der Bundesgerichtshof am 27. April 2021, dass Vertragsklauseln unwirksam sind, die die Zustimmung der Bankkunden zu Änderungen von Banken-AGB auch ohne ihre ausdrückliche Einwilligung annehmen. Az. XI ZR 26/20

Um in Deutschland Bankgeschäfte tätigen bzw. ein Kreditinstitut betreiben zu können, ist nach § 32 Abs. 1 Kreditwesengesetz eine entsprechende Erlaubnis erforderlich. Eine Weinkellerei bot ihren Winzern an, den Verkaufserlös aus den gelieferten Trauben verzinst stehen zu lassen. Ein Abruf sollte jederzeit möglich sein. Die Kellerei ging Pleite und damit auch ein Teil des stehengelassenen Kapitals verloren.

Die Deutsche Rentenversicherung verlangt die Rückzahlung von Hinterbliebenenrente von mehr als 70.000 Euro, die die Klägerin seit ihrer Eheschließung in Las Vegas ungerechtfertigt bezogen hat. Das Gericht stellte zwar fest, dass die Ehe auch in Deutschland gültig ist und somit der Anspruch auf Leistung wegfällt, der Rückzahlungsverlangen der Versicherung sei allerdings nicht statthaft. So dass nur die zukünftige Leistung gestrichen wird.

Ein Dienstleister darf keine Gebühr in Höhe von bis zu 50.- Euro für zurückgehaltene oder rückgängig gemachte Zahlungen per Lastschrift oder Kreditkarte verlangen. Zu diesem Urteil kam das Landgericht Leipzig in seinem unter dem Aktenzeichen 08 O 2084/14 ergangenen Urteil.

Die Bank müsse entsprechende Sicherheitsmaßnahmen treffen, um den Aufbruch von Schließfächern und den Diebstahl der Einlagen ihrer Kunden zu verhindern. Des Weiteren ist eine ausführliche Aufklärungspflicht erforderlich. Das Kammergericht Berlin entschied deshalb zugunsten des geschädigten Bankkunden.

Phishing-Angriff: Bank trägt die Beweislast

Aktualisiert: 29.03.20161 Min. Lesezeitvon Christina Körpert

Im Falle eines Phishing-Angriffs trägt die Bank die Beweislast. Das Landgericht Oldenburg hat entschieden, dass Phishing-Opfer ihrem Finanzinstitut nicht nachweisen müssen, dass sie eine Zahlung nicht selbst autorisiert haben, sondern auf Betrüger hereingefallen sind.

Werden vom Konto eines Bankkunden ohne dessen Zustimmung im Online-Banking Überweisungen in Auftrag gegeben, können Kreditinstitute nicht automatisch dem Kunden grob fahrlässiges Verhalten unterstellen. Der Kunde kann nur dann zum Ersatz des Schadens verpflichtet werden, wenn das Sicherheitssystem der Bank „im Allgemeinen praktisch unüberwindbar war“ und zum Zeitpunkt der Buchung auch fehlerfrei funktioniert hat.

Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen hat entschieden, dass das Steuergeheimnis nach § 30 AO der Offenbarung der steuerlichen Verhältnisse des insolventen Schuldners gegenüber seinem Insolvenzverwalter nicht entgegensteht. Der Rechteübergang bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens beinhaltet auch die Verfügungsbefugnis über Informationen wie z.B. Steuerkontoauszüge. [...]

Die Studiengebühren für den Besuch einer privaten Fachhochschule können nicht als Sonderausgaben steuerlich abgesetzt werden. Das Finanzgericht Münster stellte fest, dass kein berufsbildender Abschluss, sondern lediglich ein akademischer Grad vermittelt wird (Az.: 4 K 1563/15 E).

Wird das Testament von einem Notar oder Richter als nicht lesbar eingestuft, wird es für ungültig erklärt. Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht (Az.: 3 Wx 19/15) hat entschieden, dass in diesem Fall die gesetzliche Erbfolge einzusetzen ist.

Wer über Internetplattformen wie eBay & Co.. Waren im größeren Stil verkauft, der muss damit rechnen, von seinem Finanzamt als Unternehmer und somit als umsatzsteuerpflichtig eingestuft zu werden. Dies gilt unter Umständen auch dann, wenn lediglich private Dinge verkauft werden. Der Bundesfinanzhof (Az.: XI R 43/13) bestätigte eine Umsatzsteuerpflicht.

Bei rückständigen Steuern und Abgaben darf das Finanzamt Ansprüche aus einem Domainverträgen pfänden. Das Finanzgericht Münster (Az.: 7 K 781/14 AO) hat entschieden, dass es sich bei den Rechten des Unternehmers aus dem Domainvertrag um pfändbare Vermögensrechte im Sinne der abgabenrechtlichen Pfändungsvorschriften handelt.

Bei Verlust oder Diebstahl der Bankkarte dürfen Banken künftig keine Gebühr mehr für die Ausstellung einer Ersatzkarte berechnen. Ebenfalls wie der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht der Bundesgerichtshof in dieser Gebühr eine unangemessene Benachteiligung für den Bankkunden. (BGH, Az.: XI ZR 166/14 vom 20. Oktober 2015)

Dass diese Erbschaftsangelegenheiten nicht etwa nur durch Streitigkeiten zwischen Hinterbliebenen, d.h. zwischen Privatpersonen entstehen, zeigt ein Gerichtsprozess, der kürzlich vor dem Oberlandesgericht Hamm verhandelt wurde. Es geht um die Frage, ob ein Kreditinstitut als Nachweis für eine Erbberechtigung die Vorlage eines Erbscheins durch den Erben verlangen kann.

Obwohl die Banken inzwischen recht hohe Sicherheitsstandards für Überweisungen eingeführt haben und diese Standards von Zeit zu Zeit weiter verschärft werden, besteht immer noch ein Restrisiko, dass Überweisung gefälscht bzw. ungenehmigt getätigt werden. So auch in einem Fall, der vor dem Oberlandesgericht Koblenz verhandelt wurde.

Dass die Deutsche Bundesbank keine Privatkundenbank im eigentlichen Sinne ist, dürfte bekannt sein. Das bedeutet konkret: Ein herkömmliches Girokonto für Privatpersonen lässt sich bei der Deutschen Bundesbank nicht eröffnen. Doch wie sieht es diesbezüglich bei Unternehmen aus? Gerade große Firmen wünschen sich oft ein Konto bei der Bundesbank – aus verständlichen Gründen, wie wir noch sehen werden.

Aufgrund vermehrter Terrorismusanschläge dürfen auch die kontoführenden Kreditinstitute vorsorglich ein Girokonto sperren, wenn beim Kontoinhaber der Verdacht auf die Zugehörigkeit zu einer terroristischen Organisationen bzw. der Verdacht auf eigene terroristische Aktivitäten besteht.

Ist eine Kapitalanlage sicher, wenn die entsprechende Bank lediglich die gesetzlich geforderte Mindestdeckung zur Sicherung des Kapitals bietet? Diese Frage ist sicherlich nur subjektiv zu beantworten. Eine weitere wichtige Frage ist allerdings, ob die Bank in diesem Fall – also wenn nur die genannte Einlagensicherung besteht – die eigene Einlage empfehlen darf, wenn ein Kunde Interesse an der Nominalsicherheit hat.

Eine absolut sichere Kapitalanlage mit einer vor Rendite von mehr als 100 Prozent pro Jahr - davon träumt sicherlich jeder Anleger. Nicht wenige Vermittler versprechen genau eine solche Kapitalanlage und preisen dem Verbraucher die vermeintlich perfekte Anlageform an, so sicher und ertragreich wie keine andere.

Die „Richtlinie über Haustürgeschäfte“ aus dem Jahr 1985 sieht eine Widerrufsfrist von lediglich sieben Tagen vor. Aufgrund dieser Diskrepanzen wurde dem EuGH von verschiedenen Gerichten Fragen zur Auslegung der Richtlinie vorgelegt. Das Urteil des Gerichtshofs der EU sieht demnach im Az. C-350/03 und C-229/04 vor, Rechte von Verbrauchern zu stärken.

Banken bzw. Kreditinstitute haben die Verpflichtung Kunden hinsichtlich Risiken und individuellen Eigenheiten von verschiedenen Kapitalanlagen bestmöglich zu beraten und aufzuklären. Kein Kunde darf getäuscht werden mit Versprechen auf traumhafte Renditen ohne entsprechendes Risiko, die sich nicht realisieren lassen. Aber Banken müssen ihr Beratungskonzept nicht schriftlich dokumentieren, so der BGH im Urteil Az. XI ZR 320/04.

Die Weitergabe von entsprechenden Daten durch ein Bankinstitut an die Schufa ist nicht so ohne weiteres möglich. Es bedarf eines grundsätzlichen Interesses, welches von Seiten der Bank oder eines dritten Beteiligten besteht. Hier muss laut dem Gericht ein sogenanntes berechtigtes bzw. überwiegendes Interesse der Bank oder eines dritten Schufa Vertragspartners bestehen, um die Daten weiterleiten zu dürfen.

Kontogebühren-Klausel bei Geschäftskonten nichtig

Aktualisiert: 10.08.20155 Min. Lesezeitvon Redaktion

Natürlich gehören Gebühren im Bankensektor dazu. Die Institute wollen ja Geld verdienen durch ihre Kunden. Es besteht aber ein Unterschied zwischen Gebühren, die zulässig sind und jenen, die von den Banken und Sparkassen erhoben werden, aber unzulässig sind. Entstehen Kosten, die der Kunde selber nicht veranlasst hat, kann ein Geldinstitut diese Gebühren nicht einfach an den Kunden weitergeben [...]

Über die Gebühren für Bankdienstleistungen freut sich wohl kein Verbraucher. Natürlich soll auch die Bank ihr Geld verdienen, doch manches grenzt schon an Wucher. Und manches ist gesetzlich überhaupt nicht erlaubt. So z. B. Klauseln, die Entgelte für Leistungen vorsehen, die die Bank aufgrund gesetzlicher oder nebenvertraglicher Grundlagen grundsätzlich kostenfrei erbringen muss.

Seit vielen Monaten befinden sich die Zinssätze für Tagesgeldanlagen mittlerweile quasi im freien Fall. Soll heißen: Die Zinssätze für das Tagesgeld liegen immer niedriger, eine entsprechende Trendwende ist bislang noch nicht in Sicht. Da freuen sich Anleger umso mehr, wenn ein Kreditinstitut trotz der Krise annehmbare Zinssätze für eine Tagesgeldanlage anbietet.

Ist der Dispokredit völlig ausgereozt, spricht man von einer geduldeten Überziehung. Dass die Bank dem Kunden eine solche Möglichkeit nicht umsonst einräumt, dürfte klar sein. Immer wieder sorgen die Sollzinsen für den Dispokredit und die geduldete Überziehung für Streitigkeiten, mitunter auch vor Gericht. [...]

Sogenannte Zinsanpassungsklauseln sind für die meisten Verbraucher nicht gerade vorteilhaft. Sie werden beispielsweise in den Verträgen für Girokonten oder Kontokorrentkonten festgelegt und erlauben es dem Kreditinstitut, die Zinssätze laufend an die Entwicklung der Märkte anzupassen. Doch wie verhält es sich, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass eine Zinsanpassungsklausel bzw. die komplette Zinsberechnung durch die Bank unzulässig und somit unwirksam ist?

Ein nicht ganz einfacher Sachverhalt ergibt sich, wenn ein sogenannter Grenzgänger seine Einnahmen und Kapitaleinkünfte versteuern muss. Unter einem solchen Grenzgänger versteht man eine Person, die regelmäßig zwischen zwei Ländern verkehrt, und die z. B. ihren Arbeitsplatz in dem einen, die Wohnung im anderen Land hat. Im Hinblick auf die u entrichtenden Steuern und Sozialabgaben ergeben sich daraus viele Fragen.

Damit Kreditinstitute Daten der Kunden an die Schufa weitergeben dürfen, wird ein berechtigtes Interesse der Bank vorausgesetzt, sodass eine Abwägung der Interessen erfolgen muss. Dies bezieht sich auch auf den Fall, in dem dritte Schufa-Vertragspartner Daten weitergeben. Die Weitergabe der Daten kann auch in solchen Fällen als unwirksam angesehen werden, wenn sie korrekt waren.


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