Das Thema „Behinderung im Alltag“ geht uns alle an. In diesem Zusammenhang fragte sich unsere Redaktion wie sich der behinderte Mensch in der Welt der Kreditinstitute denn zurechtfindet? Wie sehen soziale und finanzielle Hilfeleistungen aus? Bis zu welchem Moment kann er selbstbestimmt Bankgeschäfte abwickeln? Ab welchem Grad der Behinderung erhalten sie Alltagshilfen? Wie eröffnen sie Girokonten?
Der folgende Ratgeber wird diese Themen genauer beleuchten und zusammenfassen. Wir hoffen, damit für Betroffene, ihre Familien und Bekannten eine gewisse Aufklärungsarbeit zu leisten.
Benachteiligungsverbot
Seit dem Jahr 1994 ist im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland das Benachteiligungsverbot in Art. 3 Abs. 3 fest verankert. Explizit wird formuliert, dass der behinderte Mensch nicht mehr lediglich das Objekt der staatlichen Fürsorge ist, sondern sein Leben möglichst selbstbestimmt und eigenverantwortlich führen sollte. Dazu gehört das Recht auf Gleichstellung sowie umfassender (gesellschaftlicher) Teilhabe.
2009 wurden die Rechte behinderter Menschen, beschlossen in der UN-Konvention, in das deutsche Recht übernommen. In diesem Zuge wurde der Begriff der Integration durch den der Inklusion verdrängt. Von dieser Definition ausgehend, setzte die deutsche Behindertenpolitik den Maßstab: Allen Menschen –ohne Ausschluss– eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und das in allen Lebensbereichen umfänglich zu ermöglichen.
In der Theorie klingen diese Aussagen vielversprechend. In der Praxis jedoch sieht es anders aus. Ein einheitliches „Behindertengesetzbuch“ existiert nicht. Es ist aber auch schwer umzusetzen, da der Begriff „Behinderung“ auch nicht mit einem Satz und wenigen Worten erklärt ist. So müssen behinderte Menschen ihre individuellen Ansprüche nach wie vor aus dem deutschen Sozialsystem herleiten. Im internationalen Vergleich jedoch kann die Behindertenpolitik Deutschlands als „hoch entwickelt“ bezeichnet werden. (Vgl. Ratgeber Recht. Das Erste. S. 13)
Gesetzliche Leistungsträger
Auch wenn das deutsche Sozialsystem als überdurchschnittlich vorbildlich gilt, bleibt auch den Fachleuten nur die Festzustellung: Das Sozialsystem Deutschland bleibt dennoch unübersichtlich und kompliziert. Die gesetzlichen Leistungsträger sind verschiedenen Behörden, insbesondere Rehabilitationsträger. Zu diesen gehören:
- die gesetzliche Krankenversicherung
- die Bundesagentur für Arbeit
- die gesetzliche Unfallversicherung
- die gesetzliche Rentenversicherung sowie
- die Versorgungs- und
- Integrationsämter.
Generell ist die Rede ist von einem „gegliederten System“: So scheint es für jedes Problem eine spezielle Lösung zu geben. Im vorliegenden Fall hofft man auf spezielle Anlaufstellen für behinderte Menschen. Nur wie finden diese die richtigen Kontakte, die ihnen maßgeblich weiterhelfen können? Welche Behörden bearbeiten welche Zuständigkeitsbereiche? Die „Schnittstellenproblematik“ (Vgl. ebd., S. 15) bleibt. Um dieser Tatsache entgegen zu wirken, hat unsere Redaktion einen Ratgeber zusammengestellt, der vor allem behinderten Menschen, ihrem sozialen Umfeld sowie vorwiegend ihren Vormündern eine Art Leitfaden durch den Bürokraten-Dschungel an die Hand geben soll.
Nicht aber sei zu vergessen: In unserer Gesellschaft geht das Thema „Behinderung“ uns alle an. Wenn wir nicht diskriminieren wollen, müssen wir bewusst integrieren und das beginnt in unserem sozialen Leben bis hin zu staatlichen Unterstützungsleistungen.
Ein statistischer Ausblick
Das Statistische Bundesamt gibt bekannt, dass Ende 2025 7,8 Millionen Menschen mit schwerer Behinderung ihren Hauptwohnsitz in Deutschland hatten. Davon sind 49,9 Prozent Männer und 50,1 Prozent Frauen. 59,4 Prozent der schwerbehinderten Menschen sind 65 Jahre oder älter.
Der Begriff der Behinderung und seine Rechtsfolgen
Behinderte Menschen sollten sich bei rechtlichen Fragen grundlegend erst einmal an das Sozialgesetzbuch (SGB) IX halten. Es gilt als entscheidende Rechtsquelle zum Thema Behinderung. Begriffe wie „Schwerbehinderung“ oder „Behinderung“ sind nicht aus stilistischen Gründen voneinander zu unterscheiden, sondern vielmehr hinsichtlich ihrer unterschiedlichen rechtlichen Folgen und den daraus entstehenden Ansprüchen. Dem Laien sollen zum Verständnis des internationale Standards helfen, die im International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) der WHO in 2005 beschrieben worde.
Ein Mensch mit Behinderung – Versuch einer Definition
Die Behinderung eines Menschen bezieht sich vorwiegend auf seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten sowie seine seelische Gesundheit. Laut §2 Abs. 1 des SGB IX werden Menschen als behindert anerkannt, wenn genannte physiologische Funktionen mehr als sechs Monate vom typischen Zustand des eigentlichen Lebensalters des Menschen entfernt sind. Dadurch wird die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für diese Menschen stark beeinträchtigt und sie sind auf Hilfe angewiesen, die nicht-behinderte Menschen im allgemeinen nicht benötigen. Welche Leistungsvoraussetzungen diese Menschen erfüllen, entscheiden die zuständigen Rehabilitationsträger.
Um eine endgültige Aussage zur Schwere der Behinderung zu treffen, müssen Versorgungsämter den Grad der Behinderung (GdB) feststellen – ein nicht immer einfaches Unterfangen für die Betroffenen, besonders bei geistigen und seelischen Behinderungen. Um sich durch den Gesetzesdschungel zu kämpfen, gibt es verschiedene Anlaufstellen. Genaueres zu den verschiedenen Graden der Behinderung und der Beantragung eines Schwerbehindertenausweis finden Sie auf dieser Seite. Offiziell zuständig für Personen mit Behinderung sind die Versorgungsämter, die auf Ebene des Landkreis arbeiten.

Behinderten Menschen die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen
Die alltäglichen Einschränkungen für Menschen mit Behinderung werden in vielen Bereichen sichtbar. Unsere Umwelt kann ihren Bedürfnissen häufig nicht entsprechen, sei dies nun beruflich oder privat. Hindernisse gibt es für behinderte Menschen an jeder Ecke. Um dem entgegen zu wirken, haben besonders behinderte Menschen einen Anspruch auf verschiedene Leistungen für eine bessere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Rehabilitationsträger: Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe von Behinderten
Um im Dschungel verschiedener Rehabilitationsträger ein wenig Ordnung zu schaffen, finden Sie folgend alle wesentlichen gesetzlichen Leistungsträger, die für die Rehabilitation und die Teilhabe behinderter Menschen in unserer Gesellschaft in Frage kommen und das Arbeits-, Privatleben etc. betreffen.
| Leistungsträger | Aufgabenbereich |
|---|---|
| Gesetzliche Krankenkassen | Erbringung von Leistungen zur medizinischen Rehabilitation |
| Gesetzliche Rentenversicherung | Erbringung von Leistungen zur medizinischen Rehabilitation als auch Teilhabe am Arbeitsleben |
| Agenturen für Arbeit/ Träger der Grundsicherung | Ggf. Rehabilitationsträger aber nur für den Bereich der Teilhabe am beruflichen Leben |
| Gesetzliche Unfallversicherung | Erbringung von Leistungen zur medizinischen Rehabilitation nach Berufskrankheiten, Arbeitsunfällen sowie Leistungen zur gesellschaftlichen Teilhabe |
| Träger sozialen Entschädigungsrechts | Zuständig für gesundheitliche Schäden, verursacht durch bestimmte Ereignisse (Bsp. Kriegsopfer, Impfopfer, Soldaten etc.) |
| Sozialhilfe | Ggf. Rehabilitationsträger, Erbringung von (einkommens- und vermögensabhängigen) Leistungen zur Teilhabe am Leben!!! Leistungen sind denen anderer Reha-Träger untergeordnet |
| Jugendämter | Erbringung von Leistungen für seelisch behinderte Kinder/ Jugendliche zur Teilhabe |
| Integrationsämter | !!! Keine Rehabilitationsträgeru. U. Leistungserbringung für Schwerbehinderte im Berufsleben (Bsp. behindertengerechte Ausstattung des Arbeitsplatzes) |
Zusammenfassung: Die Zuständigkeiten der einzelnen Rehabilitationsträger bleiben für Laien trotzdem undurchsichtig und die Frage unbeantwortet, wo nun welche Leistungen beantragt werden können? Die gesetzlich festgeschriebene Zusammenarbeit der einzelnen Leistungsträger ist zwar verpflichtend aber in der Praxis nicht immer 1:1 umsetzbar.
Steuerliche Erleichterung für Menschen mit Behinderung
Um behinderten Menschen den Nachteilsausgleich zu ermöglichen, wird dies in Form einer steuerlichen Erleichterung vollzogen. Diese steuerliche Ermäßigung nach § 33 EStG wird als Behinderten-Pauschbetrag realisiert. Seit dem Veranlagungszeitraum beginnt die Begünstigung mit dem Behinderungsgrad 20 und wird in Zehnerschritten erhöht. Außerdem wurde die Höhe des Betrags verdoppelt.
| Behinderungsgrad | Jährlicher Pauschbetrag ohne Einzelnachweis |
|---|---|
| 20 | 384,00 Euro |
| 30 | 620,00 Euro |
| 40 | 860,00 Euro |
| 50 | 1.140,00 Euro |
| 60 | 1.440,00 Euro |
| 70 | 1.780,00 Euro |
| 80 | 2.120,00 Euro |
| 90 | 2.460,00 Euro |
| 100 | 2.840,00 Euro |
Am meisten profitieren schwerbehinderte Menschen von diesem Nachteilsausgleich, das bedeutet also Menschen mit einem anerkannten Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50. Gleichzeitig werden aber Einkommens- und Vermögensgrenzen bei der Beanspruchung von staatlichen Leistungen gezogen. Grundlage ist die Bezugsgröße des im jeweiligen Jahr. So beträgt das Schonvermögen für 2026 71.190 Euro (Bezugsgröße 47.460 Euro x 1,5). Das Vermögen besteht nicht nur aus Geld, sondern u.a. aus Hausrat, selbst genutztes Wohneigentum, Fahrzeuge und Altervorsorge.
Alle Grenzwerte haben wir in einer Tabelle zusammengefasst:
| Grenzwert 2026 | Prozent der jährlichen Bezugsgröße | |
|---|---|---|
| Bezugsgröße | 47.460 Euro | 100 % |
| Vermögen | 71.190 Euro | 150 % |
| Einkommen aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung oder selbstständiger Tätigkeit | 40.341 Euro | 85 % |
| Einkommen aus nicht sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung | 35.595 Euro | 75 % |
| Einkommen aus Renteneinkünften | 28.476 Euro | 60 % |
| Zuschlag für Ehegatten oder Lebenspartner | 7.119 Euro | 15 % |
| Zuschlag für jedes unterhaltsberechtigte Kind | 4.746 Euro | 10 % |
Bei Beanspruchung von Eingliederungshilfe, um selbstbestimmt zu leben und an der Gesellschaft gleichberechtigt teilzunehmen, kann bei hohen Einkommen ein Eigenbeitrag anfallen. Dafür werden vom Einkommen alle relevanten Freibeträge abgezogen. Bleibt ein positiver Restbetrag, so werden monatlich 2 Prozent abgerundet auf volle 10 Euro als Eigenbeitrag verlangt. Rechenbeispiele und Sonderfälle finden Sie auf dieser Seite.
Weitere Einschränkungen für Einkommen und Vermögen können durch den Bezug von Sozial- oder Pflegeleistungen entstehen.
Außergewöhnliche Belastungen
Neben dem Pauschbetrag für Menschen mit Behinderung gibt es für sie die Möglichkeit nachgewiesene Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen abzusetzen. Dazu gehören u.a. außerordentliche Krankheitskosten wie
- Operationskosten
- u. U. Heilkuren.
Als außergewöhnliche Belastungen können auch Kinderbetreuungskosten, Haushaltshilfekosten etc. geltend gemacht werden.
Weitere Steuerermäßigungen
Der Fiskus hat für behinderte Menschen weitere Möglichkeiten gefunden unter bestimmten Voraussetzungen Steuern zu mindern bzw. zu erlassen. So z. B. die Grundsteuer, die allerdings nur für Kriegsbeschädigte aus dem 2. Weltkrieg gilt. Auch eine Minderung der Erbschafts- und Schenkungssteuer ist für gebrechliche und von Erwerbsunfähigkeit betroffene Menschen eine Möglichkeit.
Versteuerung der Rente
Auch die Rente ist steuerpflichtig, ganz entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass diese steuerfrei seien. Meist jedoch ist der Besteuerungsanteil der Rente durch die vielen Freibeträge höher, weshalb es demnach zu keiner Steuererhebung kommt.
Eine befristete bzw. unbefristete Rente kann bei voller oder auch teilweiser Erwerbsminderung gewährt werden. Aber selbst die unbefristete Rente geht irgendwann in eine Altersrente über.
Wichtig ist, dass betroffene Menschen wissen: Seit dem Jahr 2005 beträgt der zu versteuernde Anteil einer Rente 50 Prozent. Dieser Prozentsatz erhöht sich jährlich bis zum Jahr 2020 um zwei Prozent. Anschließend um ein Prozent bis eine Besteuerung von 100 Prozent erreicht wird. Dies zeigen wir Ihnen nachfolgend in einer Tabelle. Allerdings zeigen wir Ihnen die Besteuerung in 5-Jahres-Schritten.
| Jahr des Renteneintritts | Zu versteuernder Anteil in % |
|---|---|
| 2005 | 50 |
| 2010 | 60 |
| 2015 | 70 |
| 2020 | 80 |
| 2025 | 85 |
| 2030 | 90 |
| 2035 | 95 |
| 2040 | 100 |
Für die Umwandlung der Erwerbsminderungsrente in die Altersrente ist der zuvor festgelegte Besteuerungsanteil maßgebend.
Finanzielle Hilfen für behinderte Menschen
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten finanzieller Hilfen für Menschen mit Behinderungen unterschiedlichen Grades. Vielen Sozialämtern und natürlich den Betroffenen ist dies nicht klar. Keiner weiß also wie derartige „finanzielle Hilfen“ aussehen und vor allem, wo sie beantragt werden. Dabei unterscheiden sich die finanziellen Hilfen allerdings je nach Bundesland. (Haben Sie Interesse an den Regelungen für die anderen Bundesländer Deutschlands, dann nutzen Sie die angegebene Quelle.)
Für Sachsen gelten folgende Regelungen:
| Finanzielle Hilfe | Höhe der finanziellen Hilfe |
|---|---|
| Bis zum 14. Lebensjahr: Blindengeld | 285,0 Euro monatlich (keine Leistungsberechtigung vor dem 1. Lebensjahr) Pflegegrad 2: 146,20 Euro Pflegegrad 3, 4 oder 5: 142,50 Euro |
| Vom 14. Lebensjahr: Blindengeld | 380,00 Euro Pflegegrad 2: 241,20 Euro Pflegegrad 3: 200,30 Euro Pflegegrad 4 oder 5: 190,00 Euro |
| Ab dem 60. Lebensjahr: Blindengeld | 333,00 Euro |
| Sehbehindertengeld bei hochgradiger Sehbehinderung) | 100,00 Euro |
| Freifahrtausweis | Gleich in allen Bundesländern |
| Grundsicherung | Entsprechend SGB XII |
| Kfz-Steuerermäßigung bzw.-befreiung | Gleich in allen Bundesländern |
| Merkzeichen | Gleich in allen Bundesländern |
| Nachteilsausgleich im Berufs- und Arbeitsleben | Gleich in allen Bundesländern |
| Private Fahrdienste | Unterschiede in den Gemeinden |
| Steuervorteile | Gleich in allen Bundesländern |
| Wohngeld | Individuelle Regelungen |
| Wohnungsbauförderung | Individuelle Regelungen |
| Quelle: Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV) | |
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Girokonten für behinderte Menschen?
Im Zuge der Frage nach Sparmöglichkeiten für behinderte Menschen, fragte sich unsere Redaktion zudem nach den Möglichkeiten und der Verfahrensweise der Kreditinstitue, wenn behinderte Menschen (vollkommen gleich, welche Behinderung sie nachweisen) mit oder ohne gesetzlichen Vormund ein Girokonto eröffnen möchten um zumindest die monatliche Grundsicherung sicherzustellen. Mit diesem Hintergrund traten wir an einige größere Banken heran mit der Bitte um ein Interview zum Sachverhalt. Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich.
Auswertung der Interviewfragen
Unsere Redaktion wendete sich an verschiedene Banken. Besonders erfreulich haben wir die Antwort der Pressestelle der GLS Bank entgegen genommen.
Die GLS Bank
Die GLS Bank ist eine sozial-ökologisch orientierte Bank, die sich seit mehr als 40 Jahren für Menschen mit Behinderung und deren Belange einsetzt. Im Jahr 2014 vergab die Bank Kredite in Höhe von mehr als 150 Millionen speziell an soziale Einrichtungen, die u. a. Anlaufstellen für Menschen mit Behinderung bieten. Besondere Girokonten für Menschen mit Handicap bietet die Bank nicht, jedoch mit einer logischen Begründung. Herr Christof Lützel, Pressesprecher der GLS Bank, begründet diese Entscheidung mit der Tatsache, dass die GLS Bank „gelebte Inklusion“ für wichtig hält und demnach „[…] keine gesonderten Konten oder Konditionen für Kundinnen und Kunden mit Behinderung [angeboten werden]. Herr Lützel dazu: „Bei uns wird jeder Mensch in der Beratung ganzheitlich betrachtet und die angebotenen Produkte dementsprechend auf seine individuellen Bedürfnisse angepasst. Gebührenfreie Girokonten bieten wir für Menschen im Alter bis einschließlich 27 Jahre an. Einen monatlichen Mindestumsatz gibt es für die Girokonten nicht, so dass der Erhalt der monatlichen Grundsicherung bei uns kein Hinderungsgrund für eine Kontoeröffnung wäre. Selbstverständlich beachten wir bei der Anlageberatung, dass gerade bei Kundinnen und Kunden, die einen Vormund haben, die Geldanlage mündelsicher erfolgen muss. Hier bieten wir verschiedene Anlageprodukte wie etwas Sparbriefe oder Sparkonten an. Sollte ein Kunde durch einen Betreuer vertreten werden, benötigen wir natürlich die entsprechenden Unterlagen wie Betreuungsbeschluss/Betreuerausweis bzw. gerichtliche Urkunde.“ Wir danken Herrn Lützel sowie der GLS Bank für diese offene Auskunft und freuen uns, dass es Kreditinstitue gibt, die Menschen mit Behinderung in ihrem Konzept integrieren und für diese Zielgruppe Angebote im Portfolio haben.
Die Ethik Bank
Eine ebenso ausführliche und erfreuliche Antwort erhielten wir von der Ethik Bank, einer ebenso ethisch-ökologisch Direktbank. Soziales Engagement zeigt die Bank in jedem Fall durch die Mitwirkung in Ethik-, Frauen- und Umweltprojekten. Ähnlich wie bei der GLS Bank zeigt auch die Ethik Bank die „gelebte Inklusion“, denn die Ethik Bank geht von einer Gleichbehandlung aller Kunden aus und somit einer Gleichstellung, ob nun Kunde mit oder ohne Handicap. „Die Produktpalette ist aufgrund der Einfachheit und Standardisierung für alle Kundengruppen geeignet.“
Da es sich bei der Ethik Bank um eine Direktbank handelt, ergeben sich auch für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen Erleichterungen im Alltag, da alle Bankgeschäfte bequem per Telefon oder Internet getätigt werden können. Für eventuelle Rückfragen stehen im Kundenzentrum des Hauses die entsprechenden persönlichen Ansprechpartner sowie Fachabteilungen direkt zur Verfügung.
Ein kostenloses Girokonto hat die Ethik Bank nicht. Mit einer monatlichen Kontoführungsgebühr in Höhe von 5 Euro handelt es sich sich jedoch um ein vernünftiges Angebot. Die Ethik Bank verspricht mit Einrichtung dieses Kontos seinen Kunden eine weltweite Infrastruktur.
Auf unsere Frage wie sich Angehörige, Vormünder oder Betreuer von Menschen mit Behinderung auf deren Bankgeschäfte vorbereiten können, erhielten wir ebenso eine ausführliche Antwort, was uns zu der Vermutung führt, dass hier tatsächlich Erfahrungswerte des Kreditinstitutes hineinspielen. Da es sich um eine Direktbank handelt und alle Bankgeschäfte über Online-Banking getätigt werden, ist die Führung eine Betreuerkontos, da dieser vor jeder Verfügung eine Verfügungsberechtigung nachweisen. Diese Unterlagen müssen aber regelmäßig in der Bankfiliale vorgelegt werden, was im Falle einer Direktbank schwer möglich ist.
» Mehr zum Nachhaltigen Banking
Das Pfändungsschutzkonto
Menschen, die lediglich eine Grundsicherung vom Staat für ihren Lebensunterhalt erhalten, haben häufig das Problem der Verschuldung und dementsprechend größere Probleme einfach ein Girokonto bei einer Bank beantragen zu können. Für diese Fälle raten wir, ein P-Konto einzurichten, ein Pfädnungsschutzkonto also oder ein Girokonto ohne SCHUFA-Auskunft, diese finden Sie auf unserem Vergleichsportal in einem gesonderten Vergleich. Kommt es zu einer Pfändung, hat der Inhaber eines P-Kontos immerhin die Sicherheit den pfändungsfreien Betrag auf dem Konto zu behalten, denn dieser darf von der Pfändung nicht erfasst werden. Dafür gibt es einen monatlichen Freibetrag nach §850c Abs. 1 Satz 1 in Verbindung mit §850c Abs. 2a ZPO.
» P-Konto – Ratgeber, Vergleich, Infos
PrePaid-Kreditkarten
In der Regel werden zu P-Konten von den Banken keine Kreditkarten angeboten. Als Alternative empfehlen wir eine PrePaid-Kreditkarte – eine Kreditkarte, die auf Guthaben-Basis funktioniert. D. h. Inhaber der PrePaid-Kreditkarte können nur über das Guthaben verfügen, was sich tatsächlich auf der Kreditkarte befindet. Der Vorteil von PrePaid-Kreditkarten ist vor allem darin zu sehen, dass sie ohne eine SCHUFA-Auskunft und ohne einen Bonitätsnachweis erworben werden können. Bei Charge- oder Revolving-Kreditkarten ist dies selten bis gar nicht möglich. Betroffene, die also gewisse Zahlungsschwierigkeiten haben oder nicht über einen entsprechenden Bonitätsnachweis verfügen, haben mit einer PrePaid-Kreditkarte so trotzdem die Möglichkeit am bargeldlosen Zahlungsverkehr teilzunehmen.
» Prepaid-Kreditkarten zum Girokonto
Weitere Tipps für Menschen mit Behinderung zur Bewältigung Ihres Alltags
Erste Anlaufstellen für behinderte Menschen sind u. a. die Verbraucherzentralen der einzelnen Bundesländer. In diesen erhalten Besucher zumindest eine erste Idee, welche Anlaufstellen relevant sind und gegebenen Falles den individuellen Ansprüchen der Betroffenen gerecht werden können.
Ebenso stellt der ADAC einen interessanten Service zur Verfügung bzgl. der Mobilität mit Behinderung. Hier erhalten Menschen mit Handicaps Tipps zu
- verkehrsrechtlichen Vergünstigungen
- Vergünstigungen bei Neuwagenkauf
- Kfz-Steuererleichterungen sowie
- Lohn- und Einkommenssteuererklärungen.
Weiterführende Links:
- Destatis: „Statistischer Bericht – Schwerbehinderte Menschen – 2025“, 28.09.2026.
- Gesetze im Internet: SGB IX
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: ICF. Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit
- Schwerbehindertenausweis.de: Antrag und Verfahren
- Schwerbehindertenausweis.de: Versorgungsämter in Deutschland
- betanet: Eingliederungshilfe > Einkommen und Vermögen
- Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV): Blindgeld
- ADAC: „Vergünstigungen für Menschen mit Behinderung“, 02.04.2026.
Bildnachweise: © Fotolia.com – sabonisr, © Fotolia.com – majivecka
Autor:DH
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