Geldillusion – die Macht der großen Zahlen

Inflation Geldschein 5000 Reichsmark Fünf Millionen Mark auf einen Brief zu kleben, klingt aberwitzig, war vor weniger als hundert Jahren aber Usus. Damals galoppierte die Inflation und es pappten irgendwann fünf Milliarden Mark auf dem Umschlag. Heute fühlt man sich vor solchen Szenarien sicher. Dabei ist die Inflation nach wie vor präsent. Sie schreitet nicht mehr in großen Schritten voran. Sie schleicht und wird deshalb kaum noch wahrgenommen. Die meisten Verbraucher blenden den Kaufkraftverlust einfach aus. Für sie sind 100 Euro exakt 100 Euro, unabhängig vom Wert hinter der Zahl. Wissenschaftler nennen das Geldillusion.

Drei ist mehr als eins, oder etwa nicht?

Der Begriff aus der Geldtheorie zielt auf das Verhalten von Personen und Einrichtungen. Ein Beispiel: Stünden eine dreiprozentige Lohnerhöhung bei einer Inflationsrate von vier Prozent und eine einprozentige Anpassung des Gehalts bei einer Teuerung von ebenfalls einem Prozent zur Wahl, würden die meisten sich für die drei Prozent mehr Einkommen entscheiden. Dass der Zuwachs real minus ein Prozent beträgt und letztlich weniger Geld im Portemonnaie verbleibt, übersehen Verbraucher. Sie erliegen einer Illusion, planen mit drei Prozent mehr und kurbeln die Wirtschaft an.

Inflation – Reale Werte werden ausgeblendet

Dass die Inflation außen vor gelassen wird, zeigt sich auch bei der Geldanlage. Milliarden Euro liegen auf schlecht verzinsten Sparbüchern, verbleiben auf dem Girokonto oder werden bestenfalls als Tages- oder Festgeld investiert. Das gilt als sicher. Auf dem Papier steht schließlich schwarz auf weiß, dass Zinsen gutgeschrieben wurden und sich das Kapital vermehrt hat. Ein Trugschluss. Gesehen wird nur der nominale, nicht aber der reale, um Inflation und Steuern bereinigte Wert. Kurzum: Der Geldwert wird falsch eingeschätzt. Deshalb geben sich so viele Bankkunden mit mickrigen Zinsen zufrieden.

Anlage-
betrag (€)

1.000,00

1.000,00

1.000,00

1.000,00

1.000,00

1.000,00

1.000,00

1.000,00

1.000,00

Zinssatz (%)

0,50

1,00

1,50

2,00

2,50

3,00

3,50

4,00

4,50

Zinsgewinn (€)

5,00

10,00

15,00

20,00

25,00

30,00

35,00

40,00

45,00

Abgeltungs-
steuer (€)

1,32

2,64

3,96

5,28

6,59

7,91

9,23

10,55

11,87

Gewinn nach
Steuern (€)

3,68

7,36

11,04

14,73

18,41

22,09

25,77

29,45

33,13

Guthaben (€)

1.003,68

1.007,36

1.011,04

1.014,73

1.018,41

1.022,09

1.025,77

1.029,45

1.033,13

Inflations-
rate (%)

2,00

2,00

2,00

2,00

2,00

2,00

2,00

2,00

2,00

Kaufkraft-
verlust (€)

20,00

20,00

20,00

20,00

20,00

20,00

20,00

20,00

20,00

realer
Wert (€)

983,68

987,36

991,04

994,73

998,41

1.002,09

1.005,77

1.009,45

1.013,13

Differenz (€)

-16,32

-12,64

-8,96

-5,27

-1,59

2,09

5,77

9,45

13,13

Realzins (%)

-1,63

-1,26

-0,90

-0,53

-0,16

0,21

0,58

0,95

1,31

Die Problematik wird deutlich, wenn alle relevanten Faktoren berücksichtigt werden: 25 Prozent Abgeltungssteuer plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag (sofern kein Freistellungsauftrag eingereicht wurde) und eine Inflationsrate von zwei Prozentpunkten. Aus 1.000 Euro werden mit 0,5 Prozent Habenzinsen auf dem Kontoauszug grob gerechnet zwar 1.003,68 Euro. Satte 3,68 Euro Gewinn. Zieht man allerdings die Inflation ab, bleibt eine Kaufkraft von 983,68 Euro. Das Kapital hat real 16,32 Euro oder 1,63 Prozent an Wert eingebüßt. Positive Werte ergeben sich bei dieser Musterrechnung erst ab einer Verzinsung von 3,00 Prozent. Dann stehen 2,09 Euro „echter“ Gewinn zu Buche. Auch das sind nur 0,21 Prozent.

Hinweis der Redaktion: In den Rechenbeispielen wird von einer Inflationsrate von 2,0 % ausgegangen. Eine Inflationsrate von knapp unter 2,0 % ist das angestrebte Stabilitätsziel der EZB. Im März 2013 erreichte die Inflationsrate in Deutschland mit 1,0 % jedoch das niedrigste Niveau seit August 2010. Eine niedrige Inflationsrate birgt Chancen für Sparer (siehe unten). Aktuelle Statistiken zur Inflationsrate und Realrendite in Deutschland finden Sie hier.

Wie aus 1.000 Euro 826,87 Euro wurden

Wen diese Zahlen nicht zum Nachdenken bewegen, sollte sich die Kaufkraftentwicklung des Euro von 2001 bis 2013 ansehen. Auf kurze Sicht mag die Inflation vielleicht unbedeutend wirken. Langfristig zeigt sie allerdings durchaus Wirkung:

Jahr

Wert zu Jahresbeginn

Inflationsrate

Wert zum Jahresende

2001

1.000,00 €

2002

1.000,00 €

1,37 %

986,46 €

2003

986,46 €

1,13 %

975,45 €

2004

975,45 €

1,56 %

960,44 €

2005

960,44 €

1,65 %

944,86 €

2006

944,86 €

1,51 %

930,78 €

2007

930,78 €

2,34 %

909,47 €

2008

909,47 €

2,60 %

886,41 €

2009

886,41 €

0,30 %

883,72 €

2010

883,72 €

1,11 %

874,00 €

2011

874,00 €

2,10 %

856,02 €

2012

856,02 €

1,96 %

839,58 €

2013

839,58 €

1,54 %

826,87 €

Quelle: http://www.zinsen-berechnen.de/inflationsrechner.php

Von 1.000 Euro blieben seit 2001 nur 826,87 Euro über. Genau das ist der Effekt hinter der Aussage „alles wird teurer“. Diese Erfahrung macht jeder, im Supermarkt und an der Tankstelle. Gleichwohl sehen viele nur die 100 auf dem Schein und glauben fest daran, dass 100 Euro auch in ein paar Jahren noch 100 Euro wert sind.

Geldwertstabilität – ein wackliger Begriff

Für die Geldwertstabilität zuständig ist die Europäische Zentralbank (EZB). Normalerweise sollte man also davon ausgehen, dass im Sinne der Bürger null Prozent Kaufkraftverlust angestrebt werden. Dem ist aber nicht so. Bis zu zwei Prozent Inflation gelten als normal und erfordern aus Sicht der Währungshüter keine oder nur minimale Gegenmaßnahmen. Dass damit ein Kaufkraftverlust einhergeht, ist der EZB bewusst. Verbrauchern offenbar eher weniger.

Neuronale Ursachen bedingen die Geldwertillusion

Die Ursache dafür, dass nominalen Werten mehr Beachtung geschenkt wird als realen Zahlen, ist neuronaler Natur. Das Gehirn spielt uns einen Streich. Untersucht wurden die Zusammenhänge der Geldwertillusion bereits mit Fragebogenstudien und Labortests. Das Universitätsklinikum Bonn ging einen Schritt weiter und hat 24 Probanden einem Hirnscan unterzogen. Dabei wurden zwei Szenarien durchgespielt, auf Grundlage einer Belohnung für richtig gelöste Aufgaben. „In der ersten konnten sie nur relativ wenig Geld verdienen. Dafür waren aber auch die Produkte im Katalog vergleichsweise günstig. Im zweiten Szenario war der Lohn um 50 Prozent höher. Gleichzeitig wurden aber auch alle Produkte um 50 Prozent teurer“, schreibt Professor Dr. Armin Falk.*) Das Ergebnis der Studie: Je höher der Verdienst, desto aktiver waren bestimmte Regionen des Gehirns. „Menschen lassen sich gerne von großen Zahlen verführen“, lautet das Fazit der Wissenschaftler. Für die Praxis sind diese Daten höchst relevant. Denn „ein ‚bisschen Geldwertillusion’ kann große ökonomische Folgewirkungen haben“. Sie betrifft die Bereitschaft, Geld auszugeben und Geld zu investieren. Nur sollten Sparer ab und an auch hinter die Kulissen schauen. Dann verlieren zum Beispiel Sparpläne mit einer Verzinsung von einem Prozent und Bonuszahlungen von bis zu 50 Prozent nach 20 Jahren ganz schnell ihren Zauber.

*http://www.ukb.uni-bonn.de/42256BC8002AF3E7/vwWebPagesByID/E849F7A123019C71C1257583003F3977

Autor: André Maßmann

Tipp der Redaktion: So erhalten Sie die Kaufkraft Ihres Geldes!

Es lässt sich nicht vermeiden, dass Sie selbst aktiv werden müssen, um eine Reduzierung Ihres Vermögens durch eine negative Realverzinsung zu vermeiden. Damit Inflation und Steuern nicht die aktuell ohnehin schon geringe Verzinsung für Tages- und Festgelder auffressen, sollten Sie bei der Geldanlage darauf achten, dass

  • eine Rendite oberhalb der aktuellen Teuerungsrate erzielt wird,
  • ein Freistellungsauftrag eingerichtet wird.

1. Inflation überwinden

Verzinste Giro- bzw. Kreditkartenkonten stellen eine clevere Basis dar. Die Praxis zeigt, dass noch immer zu hohe Summen der Deutschen unverzinst auf dem Girokonto versauern. Ein empfehlenswertes Girokonto mit Guthabenverzinsung bietet die Deutsche Kreditbank Berlin (DKB). Kunden müssen lediglich auf den Filialservice verzichten. Angesichts des attraktiven Kontoangebots, das neben dem kostenlosen Online-Konto auch eine dauerhaft kostenfreien Visa Kreditkarte mit 1,05 % p.a. Guthabenzinsen enthält, dürfte dies vor allem für zeitgemäße Bankkunden zu verkraften sein.

Ebenfalls mit einer lukrativen Verzinsung auf Kreditkarte und Girokonto wartet die Audi Bank auf. Diese begrüßt ihre Kunden zusätzlich mit 50 Euro Gutschrift. Das Konto zum Nulltarif gibt es bei der Audi Bank ab 1.000 Euro bargeldlosem Gutschriftseingang pro Monat.

Zugegebenermaßen sind renditestarke Angebote derzeit rar gesät. Ein Blick in unseren Tagesgeld-Vergleich zeigt allerdings, dass es möglich ist, eine Rendite über der aktuellen Inflationsrate zu erzielen.

Renditestarke Tagesgeldkonten – Unser Tipp: Ein Tagesgeld mit Zinsgarantie bietet eine hohe Zinssicherheit. Der Zinssatz ist im vereinbarten Zeitraum vor Senkungen geschützt, trotzdem können Sie täglich über Ihr Geld verfügen.

Mit 1,30 % Zinsen und 12-monatiger Zinsgarantie bietet Cortal Consors aktuell eines der attraktivsten Tagesgeldkonten im Vergleich. Dieses Angebot beschränkt sich auf Neukundeneinlagen bis 50.000 Euro. Gleichermaßen von 1,30 % Zinsen p.a. profitieren Neu- und Bestandskunden bei der niederländischen Direktbank MoneYou. Die Tochter der bekannten ABN AMRO Bank zahlt den vergleichsweise lukrativen Zinssatz uneingeschränkt bis 1 Mio. Euro.

Auch mit einem Festgeldkonto können Sie einem Renditeverlust durch einen negativen Realzins vorbeugen. Empfehlenswert ist die Wahl einer überschaubaren Laufzeit, etwa bis 24 Monate. Sowohl die VTB Direktbank als auch das Festgeldkonto von Klarna liegen mit jeweils 1,95 % Zinsen p.a. für 2 Jahre an der Spitze im Festgeld-Vergleich.

2. Freistellungsauftrag stellen

Egal, ob bei Festgeld, Tagesgeld, Sparbuch oder Aktien – die Zinsen für Kapitalerträge unterliegen in Deutschland der Abgeltungssteuer, die derzeit bei 25 % liegt (zzgl. Solidaritätszuschlag). Im Rahmen des Sparer-Pauschbetrages können Sie jährlich Zinserträge von bis zu 801 Euro steuerfrei vereinnahmen. Um den Sparer-Pauschbetrag nutzen zu können, müssen Sie bei Ihrer Bank einen Freistellungsauftrag einrichten.

Beispiel: Geht man von einem Guthabenzinssatz von 1,30 % aus, können bis zu 61.615,- Euro angelegt werden, ohne dass Steuern auf die Zinserträge anfallen. Bei einer Verzinsung von 0,50 % sind das etwas über 160.200,- Euro.

Trotz hoher finanzieller Einbußen verzichtet eine auffällig hohe Zahl der Sparer noch immer auf einen Freistellungsauftrag. Laut Sparerkompass 2014 der Bank of Scotland hat im Jahr 2013 jeder fünfte Deutsche (21 %) keinen Freistellungsauftrag eingerichtet.

Wer Konten und Depots bei mehren Banken führt, sollte seinen Sparerpauschbetrag sinnvoll aufsplitten. Nur so lässt sich vermeiden, dass die Rendite sinnlos der Steuer zum Opfer fällt. In diesem Zusammenhang sollten Bankkunden daran denken, dass auch Zinsen sowie Bonuszahlungen (wie z.B. Start- bzw. Willkommensprämien, etc.) auf Girokonten sowie Kreditkartenkonten der Abgeltungssteuer unterliegen.

Fazit der Redaktion: Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es wichtig ist, mit der Geldanlage die Inflationsrate auszugleichen, am besten aber zu überwinden. Dies ist für Neukunden deutlich einfacher zu realisieren als für Bestandskunden. Letztere könnten mit dem so genannten Zinshopping Renditeerfolge erzielen. Denn abhängig vom Anlagebetrag und der in Aussicht gestellten Zinsen kann es sich lohnen, nach Auslaufen der in der Regel deutlich attraktiveren Neukunden-Angebote zu einem besserverzinsten Anlagekonto zu wechseln. Doch egal, wie Sie sich entscheiden, vergessen Sie nicht den Freistellungsauftrag! Nur so lassen sich anfallende Steuern auf Zinserträge verhindern.


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