MiFID II – was steckt dahinter?

Das deutsche Gesetzeswerk ist um eine neue Variante reicher – MiFID II. Seit dem 3. Januar 2018 ist die Umsetzung einer EU-Direktive zum Wertpapierhandel unter dem Begriff MiFID II europaweit in Kraft. Das Kürzel steht für “Markets in Financial Instruments Directive” und umfasst gut 7.000 Seiten.

Gegenstand ist der Handel mit Wertpapieren und soll den Verbrauchern mehr Transparenz und Schutz bei Wertpapieranlagen verschaffen. Bei einer genaueren Betrachtung stellt sich jedoch heraus, dass einmal mehr gilt „gut gemeint ist nicht immer gut gemacht“.

Die Hintergründe zu MiFID II

Im Zuge der Finanzkrise verloren alleine in Deutschland Tausenden von Anlegern ihr Erspartes durch die recht undurchsichtigen Lehman-Zertifikate. Viele wussten gar nicht, was sie sich da ins Depot gekauft hatten. Dies rief die Aufseher aus Brüssel auf den Plan, die verlangten, dass der Handel mit Wertpapieren deutlich transparenter und der Anlegerschutz massiv verstärkt werden müsse. Die Eckpunkte der Umsetzung sind:

  • Wertpapierhandel nur noch über offizielle Börsen
  • Das Darkpooltrading*, der direkte Handel zwischen zwei anonymen Akteuren, muss eingegrenzt werden.
  • Anleger müssen umfassend über die mit dem Wertpapier verbundenen Kosten, auch der Kosten Dritter, aufgeklärt werden.
  • Eine Geeignetheitsprüfung bei privaten Anlegern muss Voraussetzung für den Erwerb eines Papieres sein.
  • Telefonische Beratungen müssen aufgezeichnet und die Tonträger fünf Jahre aufbewahrt werden.
  • Kontinuierliche Überwachung des Investments durch den Bankberater auf die bleibende Eignung hin.
  • Genaues Protokoll bei persönlichen Beratungen, unterschrieben von Anleger und Berater

*Unter einem Darkpool versteht man eine außerbörsliche Handelsplattform, auf der institutionelle Anleger anonym Wertpapiere handeln.

Für Freunde des außerbörslichen Handels bringt MiFID II ebenfalls Neuerungen. Diese Handelsplattformen werden der neu geschaffenen Gruppe der OTFs (Organized Trading Facilities) zugeordnet, welche künftig ebenfalls einer Regulierung unterliegen.

Die Herausforderung für den Vertrieb im Privatkundengeschäft

Alleine die Sicherstellung der Aufzeichnung telefonischer Beratungsgespräche, auch über Handy, stellte die erste große Herausforderung dar. Für jede Filiale mussten die Voraussetzungen dafür geschaffen werden.

Praktisch alle Versicherungsgesellschaften kooperieren mit Fondsgesellschaften. Verkauft ein Versicherungsvertreter in seiner Agentur Fondsanteile am Telefon, trifft ihn das gleiche Schicksal wie den Bankmitarbeiter. Banken arbeiten ebenfalls mit freien Handelsvertretern nach Paragraf 84 HGB, die je nach Vertriebler mehr oder weniger viele Geschäfte am Handy abwickeln. Die Aufzeichnungspflicht wird kritisch.

Die Geeignetheitsprüfung

Alleine das Wort ist schon ein Traum. Die Bank muss ihre Kunden umfassender informieren als in der Vergangenheit. Besonders absurd fällt der Ersatz des Beratungsprotokolls durch die Geeignetheitsprüfung aus. Im Rahmen dieser Prüfung fragt der Berater den Kunden alles ab, was es zu fragen gibt. Einkommen, Ausgaben, finanzielle Verhältnisse, Erfahrungen mit Wertpapieren, Risikoeinschätzung etc.

Die Einstufung in Risikoklassen wie im bisherigen Beratungsprotokoll bleibt erhalten. Am Ende des Fragebogens kann es jedoch sein, dass der Berater sich aus Angst vor einer späteren Haftung weigert, das gewünschte Papier zu verkaufen. Jürgen Friedrich, Vorstand der KFM Deutsche Mittelstand AG hat dazu einen Beitrag getwittert, der verdeutlicht, welches Ausmaß die Geeignetheitsprüfung hat – absolut lesenswert!

Weigert sich der Bankberater, einem Kunden eine Aktie der Deutsche Bank AG zu verkaufen, weil diese ungeeignet erscheint, liegt die Option nahe, dass er ihm eine Unternehmensanleihe anbietet. Einige Banken haben sich inzwischen aber schon dafür ausgesprochen, privaten Anlegern den Zugang zu Unternehmensanleihen zu verbieten. Warum? Aus Angst.

Der Berater müsste kontinuierlich die Geschäftsentwicklung des Unternehmens im Auge behalten, um sicherzustellen, dass er jederzeit weiß, ob diese Anleihe für seinen Kunden unter der Risikobetrachtung noch geeignet ist.

Die Kosten

Kommt es zum Wertpapierkauf, muss der Kunde im Vorfeld über alle Kosten, die mit dem Wertpapier in Zusammenhang stehen, informiert werden. Dabei geht es nicht nur um die Provisionen, welche die Bank von der Fondsgesellschaft erhält, sondern auch um die Kosten, welche der Fondsgesellschaft durch den Einkauf von Informationen, beispielsweise durch ein Research-Institut, entstehen.

Im Gegensatz zur bisherigen Praxis müssen die Fondsgesellschaften seit 2018 für alle Informationen, die sie von einem Analysten einholen, bezahlen. Mal eben anrufen, fragen, was es so Neues gibt, geht nicht mehr. Um Interessenskonflikte auszugrenzen, müssen solche Dienstleistungen bezahlt und gesondert ausgewiesen werden. Sie „Pi mal Daumen“ in die Verwaltungskosten einfließen zu lassen, ist hinfällig.

Die Angaben müssen sowohl prozentual als auch in absoluten Zahlen gemacht werden. Das Produktblatt sieht dann in etwa so aus:

Alle Kosten auf einen Blick

Kosten Prozent Euro
Einstiegskosten
Provision x,xx x,xx
Ausgabeaufschlag x,xx x,xx
Ausstiegskosten
Provision x,xx x,xx
Rücknahmeabschlag x,xx x,xx
Laufende Kosten
Depotgebühren p.a. x,xx x,xx
Zuwendungen p.a.
Bestandsprovisionsservice x,xx x,xx
Gesamtkosten auf Basis der Haltedauer von fünf Jahren
Wertpapierdienstleistung
direkte Kossten an die Bank x,xx x,xx
zusätzlich erhaltende Zuwendungen x,xx x,xx
Kosten an Dritte x,xx x,xx
Produktkosten
davon gezahlte Zuwendungen x,xx x,xx
Einstiegskosten x,xx x,xx
Ausstiegskosten x,xx x,xx
Laufende Kosten gesamt x,xx x,xx
Gesamt x,xx x,xx
Quelle: Bundesverband deutscher Banken e.V.

Kumulative Auswirkung der Kosten auf die Rendite: Ohne Kosten wäre die Rendite im ersten Jahr um xx,xx EUR / xx,xx Prozent höher, in den folgenden Jahren jeweils um xx,xx EUR / xx,xx Prozent höher. Bei Veräußerung des Finanzintruments sinkt die Rendite für das entsprechende Jahr um weitere xx,xx EUR / xx,xx Prozent.

Besserer Anlegerschutz durch MiFID II

Es stellt sich die Frage, was ein Anleger mit diesen Informationen macht. Investmentfondsanteile sind völlig unterschiedlich aufgestellt. Ein Geldmarktfonds verursacht andere Kosten als ein Aktienfonds oder ein Zertifikat, das mit einem kompletten Aktienkorb unterlegt ist.

Diese Kosten miteinander zu vergleichen könnte ähnlich ausfallen, wie den Kaufpreis eines Fahrrades dem eines Autos gegenüberzustellen – beides sind Produkte, welche der Fortbewegung dienen, allerdings mit gänzlich anderen Grundvoraussetzungen.

Natürlich ist es schön, dass die Kosten transparent werden. Aber kaum ein Anleger kann beurteilen, ob die höheren Honorare für den Analysten A gegenüber Analyst B bei einem gleichartigen Wertpapier gerechtfertigt sind oder nicht.

Da aber nicht alle Fondsemittenten schon so weit waren, diese Informationen bereitzustellen, konnten am 3. Januar 2018 bei der ING-DiBa beispielsweise über 80.000 Wertpapiere nicht gehandelt werden. Die Informationen der Herausgeber genügten nicht den gesetzlichen Anforderungen. (3)

Das ARD-Börsenmagazin hat einen schönen Vergleich zu einem Apple-Store gezogen. Am Eingang steht ein Schild, welches nicht nur den tagesaktuellen Preis eines iPhones anzeigt. Es wird vielmehr detailliert aufgelistet, welche Partner von Apple welche Bauteile geliefert haben, was diese im Einzelnen Apple kosteten, und welche Gewinnmarge die Lieferanten wiederum hatten. Vorstellbar? Kaum.

Die Folgen von MiFID II bei der Beratung privater Anleger

Banken wollen Geld verdienen. Dies gelang ihnen im Privatkundengeschäft in der Vergangenheit damit, dass immer mehr Prozesse standardisiert oder ausgelagert wurden. Die Auslagerung ging soweit, dass Kunden bei den Filialinstituten Kontoführungsgebühren bezahlen, damit sie ihre Daueraufträge an den Serviceautomaten selbst eingeben.

Bei Ratenkrediten spricht man schon seit Jahren von einem „industrialisierten Kreditprozess“, bei dem nicht mehr der Berater, sondern ein Algorithmus über die Bonität des Kreditnehmers entscheidet.

Im Wertpapiergeschäft war es noch nicht ganz soweit, die Fonds und Zertifikate im Vertriebsfokus wurden jedoch vom Produktmanagement vorgegeben. Der Aufwand des Beratungsprotokolls hielt sich in Grenzen. Diese Zeiten sind vorbei.

Wertpapierberatung bedeutet künftig noch mehr Bindung von Personal. Das bedeutet folglich, dass mit weniger Kunden mindestens der gleiche Umsatz generiert werden muss. Das wiederum funktioniert nur, wenn sich der Berater auf die Kunden konzentriert, deren Ordergrößen den zeitlichen Aufwand rechtfertigen.

Kleinanleger, die bislang auf das persönliche Gespräch mit ihrem Berater vertrauten, bleiben bei diesem neuen Beratungsprozess auf der Strecke. Die Konsequenz ist, ein Depot bei einer Direktbank zu eröffnen. Warum dies nachteilig sein sollte, ist generell fraglich, jedoch für den einen oder anderen gewöhnungsbedürftig. Unstrittig ist, dass nach der Diversifizierung der privaten Kunden in Retailkundschaft und Private Wealth Management eine weitere Klassenbildung erfolgt.

LEI – Die Auswirkungen von MiFID II für Unternehmen

Ab dem 3. Januar 2018 müssen alle gewerblichen Akteure im Wertpapierhandel, Banken, Broker, der Gas-Wasser Installateur um die Ecke mit Derivaten im Geschäftsvermögen, aber auch Kommunen, eine sogenannte LEI-Nummer nachweisen, wenn sie Wertpapiere handeln wollen.

Bei dem „Legal Entity Identifyer“ handelt es sich um einen 20-stelligen Code, der jeden Einzelnen weltweit eindeutig beim Wertpapierhandel identifiziert. Der Antrag für den LEI-Code ist keineswegs freiwillig, sondern gesetzlich verpflichtend. Die Vergabe erfolgt in den einzelnen Ländern durch eine LOU, die „Local Operating Unit“.

In Deutschland wird der LEI-Code von GS1, Global Standards One, einer privatwirtschaftlichen Organisation vergeben. Geschäftsgegenstand von GS1 ist die Verbesserung von Standards bei Wertschöpfungsketten.

Redaktionsempfehlungen

In der folgenden Auflistung finden Sie unsere aktuellen Empfehlungen von Girokonten. Dabei handelt es sich um fünf Direktbanken, die bereits über alle relevanten Punkte des sicheren und schnellen Online – bzw. Mobile Banking verfügen.

# Anbieter Kontoführungs-
gebühren
Guthabens-
zinsen
Details Antrag
1. DKB - Girokonto 0,00€ 0,00% Details Antrag
2. ING-DiBa - Girokonto 0,00€ 0,00% Details Antrag
3. norisbank - Top-Girokonto 0,00€ 0,00% Details Antrag
4. Wüstenrot direct - Top Giro 0,00€ 0,00% Details Antrag
5. 1822direkt - GiroSkyline 3,90€ 0,00% Details Antrag

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