Immer mehr Bankkunden in Deutschland rutschen in die roten Zahlen. Die Auswertung offizieller Statistiken von BaFin und der Deutschen Bundesbank sowie aktueller Marktdaten zeigt ein klares Bild: Die Nutzung des Dispokredits bewegt sich auf hohem Niveau – mit teuren Folgen für die Verbraucher.
Fast 12 Prozent der Verbraucher im Minus
Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung ist regelmäßig auf die Überziehung des Girokontos angewiesen. Laut aktuellen repräsentativen Erhebungen vom September 2026 befinden sich rund 11,9 Prozent der Deutschen mit ihrem Girokonto im Minus. Die Schuldenlast verteilt sich dabei wie folgt:
- 5,1 Prozent der Bankkunden stehen mit bis zu 1.000 Euro im Minus.
- 1,7 Prozent weisen eine Überziehung zwischen 1.001 und 2.000 Euro auf.
- 5,1 Prozent überziehen ihr Konto sogar um mehr als 2.000 Euro.
Dispozinsen auf hohem Niveau: Daten der BaFin und Bundesbank
Wer sein Konto überzieht, zahlt dafür einen hohen Preis. Dies belegen die offiziellen Statistiken:
Gemäß der MFI-Zinsstatistik der Deutschen Bundesbank (Stand Juli 2026) liegt der effektive Jahreszins für revolvierende Kredite und Überziehungskredite an private Haushalte im bundesweiten Durchschnitt bei 9,40 Prozent.
Betrachtet man jedoch die individuell bepreisten Kontomodelle der einzelnen Banken, fallen die Zinsen oft noch höher aus. Eine umfangreiche Auswertung von über 6.600 Girokonten auf Basis offizieller Daten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) aus dem Frühjahr 2026 zeigt: Der durchschnittliche Dispozins liegt bei 11,28 Prozent. In der Spitze fordern einzelne Geldhäuser sogar über 15 Prozent.
Noch teurer wird die sogenannte „geduldete Überziehung“, also wenn der vertraglich vereinbarte Disporahmen überschritten wird. Laut der Auswertung der BaFin-Daten verlangt knapp die Hälfte aller Geldhäuser hierfür einen Zinsaufschlag von durchschnittlich 4,25 Prozentpunkten. Im Extremfall klettert der Zins für die geduldete Überziehung so auf bis zu 19,75 Prozent.
Umschuldung als Ausweg: Bundesbank-Zahlen belegen das Sparpotenzial
Für Verbraucher, die dauerhaft oder tief im Dispo stecken, ist das Girokonto die teuerste Form der Kreditaufnahme. Die Zinsstatistik der Deutschen Bundesbank (Stand Juli 2026) zeigt, dass Ratenkredite (Konsumkredite an private Haushalte) mit einem Durchschnittszins von 8,58 Prozent spürbar günstiger sind als der Dispo.
Wer eine größere Summe im Minus steht, kann durch eine Umschuldung auf einen klassischen Ratenkredit die Zinslast deutlich senken und die Restschuld durch feste monatliche Raten strukturiert abbauen.
Surftipp: Der Rahmenkredit als Alternative zum Dispositionskredit
Weiterführende Links
- Girokonten mit Dispo im Vergleich
- Dispozinsen der Sparkassen
- Dispozinsen der Volksbanken und Raiffeisenbanken
Quellen
- Deutsche Bundesbank (MFI-Zinsstatistik, Datenstand Juli 2026): Effektivzins für revolvierende Kredite und Überziehungskredite an private Haushalte (9,40 %); Effektivzins Neugeschäft Konsumkredite an private Haushalte (8,58 %).
- Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) / Auswertung Verivox (März 2026): Analyse eines Datensatzes aus über 6.600 Girokontomodellen. Durchschnittlicher Dispozins bei 11,28 %; Zinsaufschlag für geduldete Überziehung durchschnittlich 4,25 Prozentpunkte (Spitze bis 19,75 %).
- Repräsentative Marktdaten (Smava, Stand September 2026): Aktuelle Quoten zur Kontoüberziehung in Deutschland (insgesamt 11,9 % der Konten im Minus, davon 5,1 % mit über 2.000 Euro).