Seit dem Frühjahr 2026 nutzt die Schufa ein neues Score-Modell. Mit zwölf klar benannten Kriterien, wie dem Alter der ältesten Kreditkarte oder des ältesten Bankvertrags, sollte endlich mehr Transparenz für Verbraucher geschaffen werden. Die neue Bewertungsskala reicht dabei von 100 bis 999 Punkten. Doch aktuelle Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung (SZ), über die Ende September 2026 auch die Tagesschau ausführlich berichtete, zeigen: Das Transparenz-Versprechen ist offenbar nicht mehr als ein leeres Versprechen.
Der sichtbare Score ist nur die halbe Wahrheit
Wer aktuell in der App seinen Schufa-Score prüft, geht davon aus, dass genau dieser Wert auch für die Eröffnung eines neuen Girokontos oder den Kreditkartenantrag maßgeblich ist. Die Recherchen von NDR und SZ enthüllen jedoch, dass Unternehmen diesen sichtbaren Basis-Score erweitern können: Die Schufa bietet ihren Geschäftskunden gegen Bezahlung zusätzliche Daten aus einem Pool von 40 Kriterien an.
Besonders brisant ist der Einsatz spezieller, verborgener Branchenbewertungen – wie beispielsweise einem „Hypotheken-Score“. Dessen genaue Zusammensetzung bleibt für Verbraucher völlig im Dunkeln. Wer vor einem Immobilienkauf monatelang den öffentlich einsehbaren Score optimiert, arbeitet möglicherweise umsonst. Bei den langen Laufzeiten einer Baufinanzierung kann diese Intransparenz viele Tausend Euro kosten, warnen Verbraucherschützer.
Auftragsdatenverarbeitung als Schlupfloch
Ein weiterer zentraler Kritikpunkt ist die sogenannte Auftragsdatenverarbeitung. Über diesen Weg können Firmen sich von der Schufa individuelle, maßgeschneiderte Scores berechnen lassen. Matthias Spielkamp von der Datenschutzorganisation AlgorithmWatch bezeichnete dieses Vorgehen gegenüber der Tagesschau als „noch mal perfider“, da Betroffene von diesen Vorgängen im Hintergrund überhaupt nichts mehr erfahren. Die anfängliche Transparenz-Offensive wirke im Nachhinein wie ein „ganz großer Schwindel“.
Nachteile für junge Menschen und Kontowechsler
Unabhängig von diesen geheimen Parametern stehen auch die öffentlich bekannten Faktoren in der Kritik. Da eine lange, beständige Finanzhistorie positiv gewertet wird, werden insbesondere junge Menschen ohne nennenswerte Kredithistorie strukturell benachteiligt.
Auch Verbraucher, die regelmäßig ihre Verträge optimieren, haben das Nachsehen: Wer aktiv Preise vergleicht und häufiger das Girokonto, den Stromanbieter oder die Kreditkarte wechselt, verliert massiv Punkte. Das aktuelle Modell belohnt demnach passive Stabilität und bestraft aktives, konsumorientiertes Verhalten.
Die „Schattendatenbank“ aus dem Sommer 2026
Diese Vorwürfe reihen sich nahtlos in einen weiteren Skandal aus dem Sommer ein. Im Juli 2026 deckten Recherchen auf, dass die Auskunftei unbemerkt von der Öffentlichkeit veraltete und sensible Daten von Millionen Verbrauchern in einer Art Schattendatenbank auf längere Zeit gespeichert und weiterverarbeitet hatte. Daten- und Verbraucherschützer zeigten sich alarmiert, auch wenn die Schufa betonte, dass alles rechtens abgelaufen sei.
Was bedeutet das für die Kontosuche?
Für Bankkunden bleibt die Bonitätsprüfung also teilweise eine undurchsichtige Hürde. Um Nachteile zu vermeiden, empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
- Auskunft nach DSGVO: Nutzen Sie regelmäßig Ihr Recht auf eine kostenlose Datenkopie, um zumindest fehlerhafte Grundeinträge (wie veraltete Adressen oder längst abbezahlte Kredite) identifizieren und korrigieren zu lassen.
- Nachfragen: Haken Sie bei der Ablehnung einer Kreditkarte oder eines Kontos gezielt bei der Bank nach, auf welcher konkreten Datenbasis (und welchem Score) die Entscheidung getroffen wurde.
- Schufa-freie Alternativen nutzen: Sollte der (versteckte) Score aktuell Probleme bereiten, müssen Sie nicht auf modernes Banking verzichten. In unseren Vergleichen auf konto.org finden Sie stets aktuelle Girokonten auf Guthabenbasis sowie Prepaid-Kreditkarten, die komplett ohne Schufa-Abfrage eröffnet werden können und volle Flexibilität im Zahlungsverkehr bieten.
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Datenstand: 21.09.2026. Alle Angaben ohne Gewähr.
Weiterführende Links
Quellen:
- Tagesschau: „Das Gegenteil von Transparenz“ Stand: 07.10.2026 06:59 Uhr
- Norddeutscher Rundfunk (NDR) & Süddeutsche Zeitung (SZ): Journalistischer Rechercheverbund, der die Praxis der Auftragsdatenverarbeitung, den 40-Kriterien-Pool für Unternehmenskunden und die Speicherung veralteter Daten (Schattendatenbank) aufgedeckt hat.
- AlgorithmWatch: Stellungnahmen und Experten-Zitate von Matthias Spielkamp zur mangelnden Transparenz und der Datenpraxis der Schufa.
- noyb (Europäisches Zentrum für digitale Rechte): Informationen zur offiziellen Abmahnung und den rechtlichen Schritten (Sammelklage) gegen die Auskunftei im Zusammenhang mit der Schattendatenbank.
- Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO): Artikel 15 als rechtliche Quelle für den im Ratgeberteil erwähnten Anspruch von Verbrauchern auf eine kostenlose Datenkopie.
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