Jahrelang kannte die Zahl der Bankkonten in Deutschland nur eine Richtung: steil nach oben. Doch aktuelle Zahlen der Bundesbank zeigen nun eine deutliche Trendwende. Zum Jahresende 2025 verzeichnete der Markt einen massiven Rückgang bei den Girokonten. Gleichzeitig erlebt das klassische Tagesgeldkonto ein regelrechtes Revival. Was steckt hinter dem Ende des Konto-Booms?
Der Zugang zu Bankdienstleistungen ist heute so einfach wie nie zuvor. Laut aktuellen Umfragen wickeln mittlerweile 81 Prozent der Deutschen ihre Bankgeschäfte online ab, bei den unter 30-Jährigen sind es sogar über 90 Prozent. Diese Digitalisierung führte lange Zeit dazu, dass Verbraucher immer mehr Konten eröffneten – oft auch parallel bei verschiedenen Instituten.
Doch die neuesten Daten der Bundesbank für das zweite Halbjahr 2025 belegen nun das Ende dieses Booms.
Girokonten im Minus, Tagesgeld auf dem Vormarsch
Ein Blick auf die Entwicklung der „Konten mit täglich fälligen Einlagen“ (Stand: 31.12.2025) zeigt eine bemerkenswerte Verschiebung im Verhalten der deutschen Bankkunden:
- Rückgang bei Girokonten: Die Zahl der übertragbaren, täglich fälligen Einlagen (Girokonten) sank im zweiten Halbjahr 2025 um drastische 2.254.497 Konten (-2,03 Prozent). Es ist der erste signifikante Einbruch seit Ende 2022.
- Boom bei Tagesgeldkonten: Im exakt selben Zeitraum wuchs die Zahl der nicht übertragbaren Einlagen (Tagesgeldkonten) um 1.558.874 Konten (+3,62 Prozent).
- Gesamtmarkt schrumpft leicht: In der Summe sank die Gesamtzahl der Konten mit täglich fälligen Einlagen um knapp 700.000 (-0,45 Prozent).
Während in den Vorjahren (2023 und 2024) noch beide Kontoarten moderat bis stark wuchsen, trennt sich nun die Schere zugunsten des Tagesgeldes.
Surftipp: Ratgeber: Anzahl der Girokonten in Deutschland
Warum schließen die Deutschen ihre Girokonten?
Dass plötzlich über zwei Millionen Girokonten vom Markt verschwinden, hat im Wesentlichen drei Gründe, die sich auch in aktuellen Verbraucherstudien widerspiegeln:
1. Das große Aufräumen bei den Zweitkonten
Wie wir in unserem Ratgeber zur Kontoeröffnung aufzeigen, führten zuletzt rund 70 Prozent der Bürger Konten bei mehreren Kreditinstituten. Oftmals wurden Zweit- oder Drittkonten für spezielle Ausgaben, Online-Einkäufe oder einfach wegen einer verlockenden Neukundenprämie eröffnet. Da viele Banken mittlerweile jedoch strengere Bedingungen (wie einen monatlichen Mindestgeldeingang) für eine kostenlose Kontoführung anlegen, trennen sich immer mehr Verbraucher von ungenutzten Konten, um Gebührenfallen zu entgehen.
2. Renaissance der Zinsen: Umschichtung aufs Tagesgeld
Das klassische Girokonto dient der reinen Zahlungsabwicklung – für den Vermögensaufbau ist es ungeeignet, da es in der Regel nicht verzinst wird. Verbraucher haben in den letzten Monaten massiv Geld umgeschichtet. Wer überschüssige Liquidität hat, parkt diese nicht mehr auf dem Girokonto, sondern eröffnet ein Tagesgeldkonto, um von den gestiegenen Guthabenzinsen zu profitieren. Der Zuwachs von über 1,5 Millionen Tagesgeldkonten allein im zweiten Halbjahr 2025 unterstreicht diesen „Zins-Effekt“ eindrucksvoll.
3. Sinkende Hemmschwelle beim Kontowechsel
Die Zeiten der lebenslangen Treue zur Hausbank vor Ort sind vorbei. 58 Prozent der Verbraucher haben ihr Hauptgirokonto bereits mindestens einmal gewechselt. Die meisten Wechsler springen sogar drei- bis viermal, bis sie die Bank ihres Vertrauens gefunden haben. Durch den gesetzlich geregelten Kontowechselservice ist der Umzug von Lastschriften und Daueraufträgen heute ein Kinderspiel, was die Schließung alter, teurer Konten deutlich beschleunigt.
Fazit: Qualität vor Quantität
Der Rückgang der absoluten Girokonto-Zahlen ist kein Zeichen für eine Krise, sondern für eine Normalisierung und Konsolidierung des Marktes. Die Verbraucher werden preissensibler und strukturieren ihre Finanzen effizienter: Ein leistungsstarkes (und idealerweise kostenloses) Girokonto für den täglichen Zahlungsverkehr wird gezielt mit einem gut verzinsten Tagesgeldkonto kombiniert.
Tipp für Verbraucher: Wer aktuell Gebühren für sein Girokonto zahlt, sollte den Trend nutzen und seine Konditionen überprüfen. Mit einem aktuellen Girokonto-Vergleich lässt sich schnell herausfinden, welche Banken noch bedingungslos kostenlose Konten oder attraktive Prämien anbieten – und bei wem das angeschlossene Tagesgeldkonto aktuell die besten Zinsen abwirft.