Steuererklärungen – lästige Arbeit die sich lohnen kann

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Steuererklärungen erfreuen sich häufig keiner großen Beliebtheit in der Bevölkerung. Zunächst wird nur eine Menge Arbeit damit in Verbindung gebracht, nicht aber die Belohnung die es dafür geben könnte. Im Durchschnitt werden pro Steuererklärung aktuell fast 900 Euro an den Arbeitnehmer zurückerstattet.

Unser Ratgeber soll über das Erstellen einer Steuererklärung umfassend informieren. Fragen wie, wann eine Steuererklärung fällig ist, wer eine Steuererklärung abgeben muss und welche Unterlagen benötigt werden sollen hier beantwortet werden. Außerdem haben wir für Sie einen Steuer-Software-Vergleich 2017 vorgenommen. Mit diesem können Sie sich schnell orientieren, welche Steuer-Software für Sie die richtige ist.

Pflichtveranlagung vs. Antragsveranlagung

Die Abgabe einer Einkommenssteuererklärung ist zum einen Pflicht und kann zum anderen auf freiwilliger Basis beruhen. Hierbei wird zwischen Pflichtveranlagung und Antragsveranlagung unterschieden. Die folgende Tabelle soll kurz darüber Aufschluss geben, worin sich die beiden Veranlagungsarten unterscheiden.

Pflichtveranlagung Antragsveranlagung
Was? = gesetzlich verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben = freiwillige Abgabe einer Steuererklärung
Festsetzungs- frist 31. Mai des Folgejahres (ab 2019 bis zum 31. Juli des Folgejahres) für den Steuerpflichtigen selbst, unter Einbezug eines Steuerberaters bis zum 31.12. 4 Jahre nach Ende des Steuerjahres

Verspätete Abgabe der Einkommensteuererklärung

Eine Fristverlängerung sollte beim Finanzamt rechtzeitig beantragt werden. Oftmals reicht hierfür schon ein Anruf beim Sachbearbeiter, besser jedoch wäre ein schriftlicher Antrag. Die Verlängerung bis Ende September ist meist kein Problem, wenn Sie dies ausreichend begründen. Gründe für einen Antrag auf Verlängerung können unter anderem massive Arbeitsüberlastung, Geburt eines Babys oder eine plötzliche und akute Krankheit sein.

Achtung: Bei verspäteter Abgabe zahlen Sie einen Verspätungszuschlag. Dieser darf bis zu 10 Prozent der festgesetzten Steuer und bis zu 25.000 Euro betragen. Zu beachten ist außerdem, dass wiederholte Verspätungen für Pflichtvergessenheit sprechen und damit stärker gewichtet werden, als die anderen Kriterien. Folgende Kriterien werden zur Bemessung des Verspätungszuschlags berücksichtigt:

  • Dauer Fristüberschreitung
  • Grad des Verschuldens
  • gezogene Vorteile die sich aus der verspäteten Abgabe ergeben
  • Höhe der Nachzahlung aus der verspäteten Steuerfestsetzung
  • individuelle wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen

Wann muss ich eine Steuererklärung machen?

Die Abgabepflicht für Arbeitnehmer ist in § 46 EStG und in § 149 Abs. 1 Satz 2 AO geregelt. Demnach müssen Sie dem Finanzamt eine Einkommensteuererklärung vorlegen, wenn eines der Kriterien in der folgenden Tabelle erfüllt ist:

Einkünfte Familienstand Sonstiges
Einkünfte ohne Lohn- steuerabzug >410 Euro in Ehe: Steuerklassen-Kombi III/V wenn Sie einen Verlustvortrag geltend machen wollen
Lohnersatzleistungen (z.B. Arbeitslosen- oder Elterngeld) >410 Euro in Ehe: Steuerklassen-Kombi IV (beide) mit einem eingetragenen Faktor Inanspruchnahme von Frei- beträgen beim Lohnsteuerabzug (Lohn >11.200 Euro)
mehrere Arbeitslöhne nebeneinander Ehescheidung/Tod des Ehegatten und im selben Jahr neue Hochzeit Aufforderung vom Finanzamt
Einkünfte aus selbst- ständiger Tätigkeit über dem Grundfreibetrag* Berücksichtigung (auf der Lohnsteuerkarte) eines Ehegatten der im EU-Ausland lebt Wohnsitz im Ausland, aber unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland
Lohnsteuerklasse VI
Quelle: § 46 EStG, § 149 Abs. 1 Satz 2 AO

*Grundfreibetrag für Alleinstehende (für Ehe-Leute entsprechend das Doppelte):

  • 2015: 8.472 Euro (16.944 Euro)
  • 2016: 8.652 Euro (17.304 Euro)
  • 2017: 8.820 Euro (17.640 Euro)
  • 2018: 9000 Euro (18.000 Euro)

Achtung! Abgabepflicht für Rentner: Immer öfter müssen auch Rentner eine Steuerklärung abgeben. Dadurch, dass der steuerfreie Betrag dauerhaft festgeschrieben ist, wirken sich Rentenerhöhungen in voller Höhe aus. Folglich können Rentner, die bislang keine Steuern auf ihre Renten zahlen mussten, in die Steuerpflicht hineinwachsen.

In welchen Fällen ist eine freiwillige Steuererklärung sinnvoll?

Nicht alle Steuerzahler sind verpflichtet eine Steuererklärung an das Finanzamt zu entrichten, jedoch kann es sich oftmals gerade für die lohnen, die eigentlich keine Einkommenssteuererklärung machen müssen. In welchen Fällen es sinnvoll sein kann, eine freiwillige Steuererklärung an das Finanzamt abzugeben ist hier aufgelistet:

  • hohe Werbungskosten, die über Werbungskostenpauschalbetrag hinausgehen
  • hohe Sonderausgaben
  • außergewöhnliche Belastungen
  • Änderung der Steuerklasse im laufenden Jahr
  • variierender Arbeitslohn im Laufe des Jahres
  • variierende Dienstverhältnisse während des Kalenderjahres
  • Geringverdiener mit zweiter Berufsausbildung (Verlustvortrag nutzen)
  • Aufwendungen für haushaltsnahe Dienstleistungen, Haushaltshilfen und Handwerkerleistungen

Eine freiwillige Steuererklärung, auch Antragsveranlagung genannt ist ein Wahlrecht, welches jedes Jahr aufs Neue getroffen werden kann. Das heißt, auch wenn Sie nur einmalig eine Steuererklärung abgegeben haben, sind Sie nicht jedes Jahr erneut dazu verpflichtet.

Wer eine freiwillige Steuererklärung machen möchte und finanziell nicht auf die Rückerstattung angewiesen ist, sollte möglichst lange mit der Abgabe warten, da der zu erstattende Betrag ab dem 16. Monat (nachdem das Steuerjahr zu Ende gegangen ist) mit 0,5 Prozent (also 6 Prozent pro Jahr) verzinst wird.

Weg zur Steuererklaerung

Möglichkeiten eine Steuererklärung zu erstellen

Die Bedeutung der elektronischen Steuererklärung, welche via Elster per Internet an das Finanzamt gesendet wird, ist drastisch angestiegen. In unserem Diagramm ist die Entwicklung von 2003 bis 2016 dargestellt. In nur vier Jahren haben sich die Anträge bereits verdoppelt, Tendenz weiter steigend.

Quellen:

  • Bitkom.org

Um eine Steuererklärung zu erstellen, gibt es viele Möglichkeiten. Die weitaus älteste Methode ist das Ausfüllen der Formulare in Papierform. Dies soll jedoch nach und nach abgeschafft werden, da der Aufwand für die Behörden bei der Papierform deutlich höher ist. Weitere Möglichkeiten wären die kostenlose Steuersoftware Elster (das elektronische Finanzamt), Web- oder Desktop-Steuer-Software, ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein.

Welche Unterlagen / Informationen benötige ich für meine Steuererklärung?

  • Steuer-Identifikationsnummer
  • Bankverbindung
  • Ausdruck der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung
Kostenlose Checkliste für Ihre Steuerunterlagen

Wie sortiere ich meine Dokumente?

Wenn Sie im Vorfeld schon eine gewisse Grundordnung halten, können Sie hinterher viel Zeit sparen. Wir empfehlen, dass Sie sich einen Ordner für das entsprechende Steuerjahr anlegen. In diesem werden alle nötigen und wichtigen Dokumente und Unterlagen abgeheftet und thematisch sortiert. Folgende grobe Sortierung wäre denkbar:

  • Einkommensteuer und Lohnsteuer
  • Lohn- bzw. Gehaltsabrechnung, Kirchensteuer
  • Beruf / Schule
  • Vermögenswirksame Leistungen, Bausparverträge, Renten- und Altersversorgung
  • Haus, Wohnung
  • Auto, Kfz-Steuer
  • Bank
  • Krankenkassen und Zusatzversicherungen
  • Versicherungen aller Art

Steuererklärung schnell und einfach – mit einer Steuersoftware – erledigen

Ob mit der Steuersoftware Elster, mit Hilfe eines Lohnsteuerhilfevereins, eines Steuerberaters, mit einem Desktop-Programm oder mit einem Webdienst. Es gibt heutzutage viele Wege zum Erstellen einer Steuererklärung. In Deutschland leben rund 81 Millionen Menschen, von denen, mit aktuell 43,8 Millionen, mehr als die Hälfte erwerbstätig sind. Die Anzahl der betroffenen Steuerpflichtigen wächst stetig. Außerdeem machen knapp 60 Prozent ihre Steuererklärung selbstständig und nur 15 Prozent nutzen dafür einen Steuerberater.

Quellen:

  • Statistisches Bundesamt
  • Bitkom.org

Machen Sie Ihre Steuererklärungs selbst?

Momentan teilen sich zwei große Anbieter den Markt. Zum einen die BUHL Data Service GmbH mit der „ZDF WISO Software“ und „Tax Steuersoftware“ und zum anderen das Software-Haus Lexware mit „Quicken“ und „Taxman“. Ein dritter etablierter Anbieter ist die Akademische Arbeitsgemeinschaft (Wolters Kluwer) mit der Software „SteuerSparErklärung“. Die Rechendatenbank ist bei allen drei Anbietern ähnlich aufgebaut und somit führen auch alle zum selben korrekten Ergebnis. Jedoch liegen bei der Nutzung und bei diversen Funktionen starke Unterschiede vor. Wer zum Beispiel verschiedene Geräte (Computer, Tablet, Smartphone) zur Bearbeitung der Steuererklärung nutzen möchte, landet zwangsläufig bei der WISO-Software. Unser Steuersoftware-Vergleich stellt die Vorzüge der verschiedenen Anbieter gegenüber.

Hinweis: Auch die Kosten für die Erstellung einer Steuererklärung (der Steuerberater oder der Anschaffungspreis der Steuersoftware) sind absetzbar.

Vorteile einer Steuererklärungs-Software

  • Verständlichkeit: durch Videos, Musterschreiben und Erklärungen
  • Einfachheit: auch für Anfänger kein Problem die Steuererklärug zu machen
  • Steuerersparnis: versucht die Steuerlast so weit wie möglich zu drücken
  • Motivationsfunktion: das Programm berechnet ständig die zu erwartende Steuererstattung
  • Plausibilität: es werden logische Zusammenhänge geprüft, wie z.B. eine vergessene Tausender-Stelle
  • Absetzbarkeit: bis zu 100 Euro dürfen, für die Steuererklärung als “Mischkosten”, vollständig abgesetzt werden, ansonsten wird zwischen privat und beruflich veranlassten Steuerberatungskosten unterschieden*

*Kosten für die Steuerberatung sind als Werbungskosten (betrieblich) absetzbar, wenn sie zur Ermittlung der Einkünfte anfallen, d.h. nur bei beruflicher Veranlassung. Privat veranlasste Steuerberatungskosten können nicht von der Steuer abgesetzt werden. Davon ist z.B. die Unterstützung bei der Anlage “Kind” betroffen. Der Steuerberater sollte aufgrund dessen beruflich und privat veranlasste Kosten in seiner Rechnung getrennt ausweisen.

Steuererklärungssoftware im Vergleich

Desktop-Software für Steuererklärungen

Steuer-Software Zielgruppe Kosten
Taxman Arbeitnehmer und Selbstständige ab 29,90 € Zum Anbieter
WISO Steuer Sparbuch Arbeitnehmer und Selbstständige ab 29,95 € Zum Anbieter
QuickSteuer Deluxe Arbeitnehmer und Selbstständige ab 29,99 € Zum Anbieter
tax Professional Selbstständige ab 34,95 € Zum Anbieter
SteuerSparErklärung plus Arbeitnehmer ab 39,95 € Zum Anbieter

 

Online-Steuersoftware

Die webbasierten Online-Angebote gewinnen zunehmend mehr an Popularität. Wer kein großes Software-Paket auf seinem Rechner installieren möchte, der hat nun auch die Möglichkeit seine Steuererklärung online zu erstellen. Hier eine kurze Auflistung der aktuellen Angebote für eine webbasierte Anwendung:

Online-Steuersoftware Zielgruppe Kosten
smartsteuer Arbeitnehmer ab 14,95 € Zum Anbieter
Lohnsteuer kompakt Arbeitnehmer ab 19,99 € Zum Anbieter
SteuerGoPlus Arbeitnehmer ab 24,95 € Zum Anbieter
WISO Steuer: Web Arbeitnehmer und Selbstständige ab 29,95 € Zum Anbieter

Fazit

Steuererklärung ja oder nein? Manche haben die Wahl, andere nicht. Für alle mit Steuererklärungs-Pflicht gilt es, die Steuererklärung bis zum 31.05. an das Finanzamt zu entrichten. Die freiwillige Abgabe kann sich bis zu 4 Jahre nach Beendigung des Steuerjahres Zeit lassen. Die Steuerpflichtigen mit freiwilliger Abgabe haben demzufolge genügend Zeit, um zu prüfen, ob sich eine Abgabe lohnen könnte oder nicht. Gerade bei hohen Werbungskosten, Sonderkosten oder außergewöhnlichen Belastungen (in Form von langen Arbeitswegen, Kinderbetreuung, Umzugskosten, Fortbildungskosten usw.) kann dies sehr sinnvoll sein. Sobald Sie sich für das Erstellen einer Steuererklärung entschieden haben, heißt es die nötigen Unterlagen zusammensuchen und zu entscheiden in welcher Form die Steuererklärung erstellt werden soll. Benötigen Sie eventuell einen Steuerberater oder wollen Sie Kosten sparen und erledigen die Steuererklärung mit Hilfe einer Steuererklärungs-Software eigenständig.

Wir haben in unserem Vergleich fünf Steuersoftware-Systeme für Sie geprüft. Alle drei Hersteller in unserem Vergleich haben ordentliche und voll einsatzfähige Produkte auf den Markt gebracht. Keine der getesteten Software-Systeme schlägt mit einem negativen Ergebnis aus der Reihe. Die Unterschiede der Programme sind zum Teil nur sehr klein und sprechen die Individualität der Benutzer an. Alle getesteten Produkte sind auch in einer abgespeckten Variante erhältlich, welche schon für um die 15 Euro käuflich erwerblich sind. Gerade Rentner, Arbeitnehmer und Studenten ohne Zusatzeinkünfte könnten von diesen preiswerten Varianten profitieren. Alle Hersteller versuchen die Kunden an ihre Software zu binden. Gerade durch die Übernahme der Vorjahresdaten kann viel Zeit gespart werden, weshalb die Anbieter diese Funktion teilweise nur für das eigene Produkt anbieten und bei Konkurrenzprodukten gar keine Daten übernommen werden können. Besonders hervorgetan hat sich in unserem Vergleich das WISO Steuer-Sparbuch. Die WISO-Software nimmt den Nutzer stark an die Hand und führt ihn sicher durch die Bearbeitung der Steuererklärung. Die Sprache ist leicht verständlich und es gibt sehr viele Erklärvideos. Außerdem setzt das Steuer Sparbuch auf Mobilität und Flexibilität, welche die Nutzer in der heutigen Zeit erwarten dürfen. Die anderen Programme haben was die Mobilität angeht noch großen Nachholbedarf.

Quellen