Auswahlkriterium Dispozinsen

Nur wenige Banken vergeben bei ihren Girokonten auch entsprechend Guthabenzinssätze. In diesem Zusammenhang finden sich immer mehr Kombinationen zwischen Girokonto und Tagesgeld- bzw. Festgeldkonto. Je nach Höhe der anfallenden Dispozinsen kann daher auch die Höhe des Guthabenzinses ein wichtiges Auswahlkriterium für ein Girokonto sein. Denn gerade bei einer längerfristigen Überziehung des Dispokredits können hierdurch die Soll-Zinsen wieder ausgeglichen werden. Natürlich ist auch ein niedriger Dispozins ein wichtiges Kriterium für die Auswahl des entsprechenden Girokontomodells. Insbesondere junge Leute sowie Studenten und Auszubildende sollten auf die vereinzelten Sonderkonditionen der Banken achten. In allen anderen Fällen ist der Dispo insbesondere für die Banken ein lukratives Geschäft, bei denen nicht selten Sollzinsen zwischen 12 und 19 Prozent verlangt werden. Da es sich beim Dispo lediglich um einen von den Banken geduldeten Überziehungskredit handelt, werden viele Kunden in die Dispofalle gelockt.

Zudem muss gerade beim Dispokredit zwischen dem eingeräumten und dem geduldeten Überziehungskredit unterschieden werden. In der Regel wird jedem Kunden bei der Eröffnung seines Kontos ein Überziehungskredit eingeräumt. Abhängig ist dies jeweils von der Bonität des Kunden sowie vom regelmäßigen Einkommen. Als regelmäßiges Einkommen betrachten die Banken neben dem Gehalt auch Rentenzahlungen. Kunden, die über einen negativen SCHUFA-Eintrag verfügen oder ein schlechtes Scoring verfügen, erhalten entweder einen begrenzten oder überhaupt keinen Überziehungskredit eingeräumt. Die Höhe dieses maximalen Verfügungsrahmes legen die Banken individuell fest. Je nach Bonitätsprofil erhalten Kunden in der Regel einen Kreditrahmen, der zwischen zwei und drei Monatsgehältern liegt. Verfügt der Kunde neben einem regelmäßigen Gehaltseingang auch noch über Festgeld- oder sonstige Sparanlagen, kann der eingeräumte Disporahmen entsprechend noch erweitert werden.

In aller Regel müssen Giroinhaber ihr Konto mindestens drei Monate führen, ehe sie einen Überziehungskredit eingeräumt bekommen. Gleiches gilt auch für Kreditkarten. Auch hier wird das Kreditkarteninstitut erst einmal abwarten, wie sich die Gehaltseingänge des Kunden entwickeln. Danach wird der jeweilige Verfügungsrahmen entsprechend der Höhe nach festgesetzt. Damit kann der Kunde dann über weit mehr Kapital verfügen als er eigentlich auf seinem Girokonto besitzt, die Bank erwartet allerdings im Gegenzug, dass dieser Minusbetrag irgendwann wieder einmal zum Ausgleich gebracht werden kann. Andererseits hat der Kunde auch hier die Möglichkeit, den Disporahmen zu überziehen. In diesem Falle spricht man dann von einem geduldeten Kredit. Geht man beim geduldeten Dispokredit noch von einem Sollzinssatz zwischen 10 und 12 Prozent aus, sind es beim geduldeten Kredit bereits zwischen 14 und 19 Prozent.

Mit Sollzinsen von teilweise über 19 Prozent gehören zumindest die geduldeten Dispokredite zu den teuersten Krediten überhaupt und sollten von daher nur kurzfristig ausgenutzt werden. Wer Probleme hat, seinen Dispo- oder geduldeten Überziehungskredit zurückzuzahlen, sollte baldmöglichst an eine Umschuldung auf einen Ratenkredit denken. Da diese Kreditvergabe durch die Banken auch nur freiwillig geschieht, besitzt der Kunde keinerlei Rechtsgrundlage, so dass das jeweilige Bankinstitut auch jederzeit in der Lage ist, diesen Kredit aufzukündigen. In den meisten Fällen wird der Kunde zuvor aufgefordert, sein Konto entsprechend auszugleichen. Zudem muss auch bedacht werden, dass ein Bankkunde schnell einmal arbeitslose werden kann oder ein Selbständiger nicht mehr ein regelmäßiges Honorar bezieht. Dann wird in jedem Falle der Dispokredit gesperrt, andererseits hat auch in einer solchen Situation eine unverzügliche Rückzahlung zu erfolgen.

Da eine Kreditsperrung nach den AGB der Banken völlig legal ist, ist das Konto in diesem Falle für Abbuchungen wie Miet- oder Stromzahlungen komplett blockiert. Wer also nicht den Umgang mit dem Geld gelernt hat, der sollte sich nicht zu einem Dispokredit verführen lassen. Mit Privileg hat ein Dispo nichts zu tun! Ein Dispo hat lediglich den Vorteil, dass hierfür kein eigener Kreditantrag gestellt und auch keine Sicherheiten erbracht werden müssen. Lediglich eine automatische Bonitätsprüfung ist hier ausreichend. Auch muss dieser Überziehungskredit nicht sofort zurückgezahlt werden, sondern kann – je nach Geldeingang – auch nach Monaten aus den roten Zahlen geholt werden. Dafür muss der Kunde allerdings teure Zinsen bezahlen, die es nicht leichter machen, aus den Schulden herauszukommen. In allen Fällen ist ein Verbraucher- oder auch Ratenkredit genannt weitaus günstiger zu haben und eignet sich insbesondere für kleinere Anschaffungen. Vielfach liegt die Masche der Banken auch in der gleichzeitigen Vergabe eines Tagesgeldkontos in Verbindung mit einem Girokonto. Denn einerseits nutzt der Kunde auf seinem Girokonto den teuren Dispokredit, andererseits streicht er die teilweise mageren Habenzinsen auf dem Tagesgeldkonto ein. Gleichzeitig kann sich die Bank auch sicher sein, dass der Kunde in der Lage ist, mit dem Geld auf dem Tagesgeldkonto seinen Überziehungskredit zu decken.

Die Banken schaffen dem Kunden damit bewusst eine ständige Schieflage zwischen dem eigentlichen Girokonto und den Zinskonten, denn die Banken spielen mit der Undiszipliniertheit ihrer Kunden, die dadurch zum Ausdruck kommt, dass bei der Überziehung eines Girokontos und einem eingestrichenen Zins in Höhe von 150 Euro rund 100 Euro als Gewinn an die Bank fließen. Im Gegenzug muss die Bank lediglich 15 Euro an Habenzinsen auf dem Tagesgeldkonto ausgeben. Ein saftiger Gewinn, den sich die Banken nur ungern entgehen lassen. Auf diese Weise steht dann ein Tagesgeldkonto-Habenzins von 2,5 Prozent einem Überziehungskredit-Zins in Höhe von 14.5 Prozent entgegen. Hinzu kommt ein weiteres Übel: Nur die wenigsten Kunden wissen über das Jahr genommen genau, was sie überhaupt an Dispo- und Überziehungszinsen gezahlt haben. Wer über das Jahr eine hohe Sollzinslast ermittelt, sollte daher auf den Dispo komplkett verzichten.

Auf diese Weise lässt sich eine Spitzenrendite erbringen, den die Kunden durch die völlig überteuerten jährlichen Zinsen einsparen. Wer seinen Dispo auch nur verringert, schafft sich damit eine optimale Form der Kapitalanlage! Denn jede Investition in den Dispo sorgt im Gegenzug für eine Verringerung der Dispozinsen. Vielfach kommen Kunden auf diesem Wege zu einer weit über 10-prozentigen Ersparnis. Uns hier können sich Verbraucher wirklich lange umschauen, um eine Kapitalanlage zu finden, die eine solche Rendite abwirft.


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