Cash-Management

Cash-Management hat nicht nur bei multinationalen Konzernen Einzug gehalten, sondern etabliert sich immer mehr auch in kleineren und mittelständischen Unternehmen. Das Inhouse-Cash-Management der Firmen bedeutet für die Banken wiederum das Wegbrechen eines Geschäftsfeldes.

Was versteht man unter Cash-Management?

Unter Cash-Management ist die aktive, zielorientierte Steuerung, Planung und Kontrolle der Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens zu verstehen. Das heißt, durch das Cash-Management muss die Liquidität eines Unternehmens sichergestellt und der reibungslose Zahlungsverkehr gewährleistet werden.

Angenommen, ein Unternehmen ist an fünf Standorten in fünf Ländern vertreten. Jede Niederlassung unterhält bei einer Bank vor Ort die notwendigen Konten und zwangsläufig auch die Mitarbeiter, um die regionale Buchhaltung zu betreuen. Dies ist zeit- und personalintensiv. Am Ende eines Jahres werden die Konten vor Ort abgeschlossen und im Rahmen des Konzerns aggregiert. Erst in diesem Moment hat die Geschäftsleitung alle Zahlen automatisch auf einen Blick, das Jahr über mussten diese einzeln zusammengetragen werden.

Vorteile und Effizienz für Treasury

An dieser Stelle setzt das Cash-Management ein. Es bündelt die Zahlungsströme der einzelnen Niederlassungen und Abteilungen in einer Unternehmenseinheit und kann dadurch kontinuierliche die aggregierten Unternehmenszahlen liefern. Was sich kompliziert anhört, ist es nicht, sofern die Infrastruktur entsprechend entwickelt wurde. War dies der Fall, verfügt das Unternehmen faktisch für die Kontoführung über eine eigene Bank im eigenen Haus, welche den gesamten Zahlungsverkehr, dann aber natürlich über eine externe Bank, abwickelt. Der englische Ausdruck für diese Konstellation lautet "Payment Factory", was auch nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Cash-Management bedeutet aber noch mehr.

Die Vorteile des Cash-Managements

  • Der Zahlungsverkehr liefert kontinuierlich Daten über den Cashflow, vom Unternehmen selbst ausgeführten Zahlungen.
  • Der Verwaltungsprozess der Bankkonten liefert sofortige Information über die Bankkonten. Er zeigt auf, welche Konten überflüssig sind, wo eventuell neue Konten benötigt werden.
  • Die Verarbeitung der Kontoauszüge zeigt fremd initiierten Cashflow, Zahlungseingänge und Lastschriften zugunsten Dritter auf.
  • Die systemische Bearbeitung von Eingangsrechnungen liefert sofortige Information zu den kumulierten kurzfristigen Verbindlichkeiten.
  • Die automatisierte Fakturierung der Ausgangsrechnungen lässt einen sofortigen Schluss auf die Salden der Zahlungseingänge zu.
  • Die Summe dieser Informationen führt letztendlich dazu, dass im Cash-Management Prozess die offenen Salden in der Summe auf den Konten händisch ausgeglichen oder übertragen werden.

Die Zahl der genutzten Konten bei Unternehmen mit Umsätzen zwischen einer Milliarde Euro und mehr als 100 Milliarden Euro deckt die Bandbreite zwischen weniger als 300 und mehr als 3.000 Konten ab (Zeitschrift "Die Bank", Printausgabe 12/2016).

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Beispiel für Einsparpotenzial

Welches Einsparpotenzial sich hier durch ein gezieltes Cash-Management bietet, verdeutlicht die folgende Berechnung anhand der geplanten Reduktion des Bestandes um 300 Konten bei einem Unternehmen:

  • Schließung von 200 Konten mit einem durchschnittlichen Guthaben von 5.000 Euro führt zu einer Konzentrierung von einer Million Euro auf einem Konto. Unter normalen Umständen könnte hier sogar ein Habenzinssatz veranschlagt werden, der für Guthaben von 5.000 Euro noch nicht gezahlt wird. Die aktuelle Zinsphase lässt hier jedoch keinen Spielraum zu.
  • Schließung von 100 Konten mit einem durchschnittlichen Sollsaldo von 2.000 Euro bringt eine Zinsersparnis bei fünf Prozent Sollzins in Höhe von 10.000 Euro.
  • Bei einer Kontoführungsgebühr von 360 Euro im Jahr kommt eine weitere Ersparnis von 108.000 Euro hinzu.

Um 300 Konten zu verwalten, bedarf es mehr Mitarbeiter, als für die Verwaltung eines Kontos. Vor allem dann, wenn folgende Prozesse notwendig sind:

  • Cash Management
  • Zahlungsverkehr
  • Kontoauszugsverarbeitung
  • Kontoverwaltung

Diese Prozesse werden nicht durch eine Abteilung ausgeführt, sondern binden die jeweiligen Fachbereiche und IT gleichermaßen ein.

Das Einsparpotenzial

Der jährliche Aufwand für die Verwaltung von 300 Konten lässt sich folgendermaßen berechnen:

300 Konten à zehn Minuten pro Monat bei angenommen zehn Abteilungen ergeben 300 * 120 *10 = 360.000 Minuten. Dies entspricht auf den Personaleinsatz heruntergebrochen (360.000 / 60 = 6.000 Stunden =150 Wochen), bei einer Größe von 150 Wochen der Beschäftigung von drei Arbeitnehmern. Bei einem Bruttolohn von 60.000 Euro pro Jahr einschließlich Lohnnebenkosten führt die Aggregation von 300 Konten in eines zu einer Einsparung von

   180.000 Euro weniger Personalkosten

+ 108.000 Euro weniger Kontoführungskosten

+   10.000 Euro höherer Zinsertrag

= 298.000 Euro Gesamtersparnis

Voraussetzungen für erfolgreiches Cash-Management

Wie eingangs bereits erwähnt, muss das Unternehmen selbst das Umfeld schaffen, dass das Cash Management von der Bankseite in die Firma verlagert werden kann. Die notwendige stabile aber dennoch flexible IT-Infrastruktur bildet den Kern. Management-Informationssysteme bieten die notwendige Software.

Da die Gelder aber nicht nur innerhalb des Hauses hin- und hergeschoben werden, benötigen die Firmen auch eine Bank. Zunächst erfolgt die Erstellung der IT-Infrastruktur. Diese wird mit der für den Zahlungsverkehr benötigten Bank harmonisiert und angeschlossen. Im nächsten Schritt erfolgt die Einbindung der Niederlassungen in das Cash-Management System und die bisherigen Bankverbindungen gelöst.

International nur wenige Banken geeignet

Die Wahl der Bank hängt von den Standorten der Konzerngesellschaften oder Niederlassungen ab. Für das KMU mit Standort in Thüringen oder Bayern mag eine Direktbank der richtige Ansprechpartner sein. Für einen Konzern mit internationaler Aufstellung kommen dagegen nur noch wenige Banken infrage. Zu den wirklich weltweit aktiven Instituten zählen

  • Bank of America
  • Deutsche Bank
  • PNB Parisbas
  • Citigroup
  • JP Morgan Chase
  • HSBC

Beschränken sich die Auslandsaktivitäten nur auf bestimmte Regionen, können noch die

  • Unicredit für Süd- und Osteuropa, sowie die
  • Standard Chartered Bank für Südafrika

hinzu gezogen werden. Für den asiatischen Markt bieten sich chinesische Banken an.

Cash-Pooling – Konzentration auf einen Partner

Cash-Pooling steht für das Bündeln von Liquidität an einen zentralen Ort. Durch dieses zentrale Finanzmanagement kann ein unternehmensinterner Liquiditätsausgleich geschaffen werden. Cash-Pooling ist somit ein Instrument des Cash-Managements und bietet Vorteile in Hinblick auf Zinsoptimierung, Senkung der Kreditvolumina, Kostensenkungen und vieles mehr.

Außerdem ist für das Cash-Pooling die Auswahl des richtigen Kreditinstitutes von großer Bedeutung. Das Unternehmen hält seine Gelder nur noch bei einer Bank auf möglichst wenigen Konten. Diese Bank führt aber alle Zahlungsvorgänge weltweit aus Sicht des Kunden von einer Stelle aus.

Cash-Management und Cash-Pooling führten dazu, dass bereits viele Kreditinstitute das Nachsehen hatten. Die Firmen haben zugunsten der Rentabilität die Zahl der Bankverbindungen von möglicherweise mehr als einhundert auf einige wenige gekürzt. Gerade die kleineren Institute am Ort der jeweiligen Niederlassung, häufig Volksbanken und Sparkassen, mussten massive Abwanderungen von Geschäftskunden verzeichnen.

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