Das Basiskonto – Segen oder Fluch? Wie gut meinen es die Banken mit den Kunden?

Frau am Geldautomat
© thinkstock Michael Puche

Mit Hilfe des Zahlungskontengesetzes (ZKG) vom 19.06.2016 wurde das „Basiskonto“ eingeführt. Seitdem hat jeder Verbraucher, mit rechtmäßigem Aufenthalt in der EU, einen Anspruch auf ein Konto bei einer Bank, das Recht auf ein sogenanntes „Basiskonto“. Insbesondere Personen in prekären Umständen – Obdachlose, Asylsuchende oder auch geduldete Personen – soll dieses Konto zu Gute kommen.

In diesem Ratgeber zum Basiskonto, möchten wir exemplarisch den Fokus auf Immigranten aus Krisengebieten legen. Deren Situation ist meist entsprechend als “prekär” einzustufen und hat auch ein paar Besonderheiten, auf die wir im Folgenden eingehen wollen. Dabei prüfen wir auch, inwieweit die Banken ihrer Pflicht nachkommen entsprechende Konten anzubieten, welche Leistungen mit den angebotenen Basiskonten einher gehen und wie einfach die Eröffnung des Kontos ist.

Unser Basiskonten-Vergleich

Unser Ratgeber soll die wichtigsten Informationen zu den Basiskonten einiger bedeutender Filial- und Direktbanken liefern. In unserer Übersichtstabelle stellen wir die Leistungen und Kosten der entsprechenden Produkte gegenüber.

deckblatt basiskonto vergleich pdf
Vergleichstabelle der Basiskonten (Stand: 02/2017)

Welche Hürden stehen zwischen Basiskonto und Asylbewerber?

Wie unser Vergleich zeigt, sind die Gebühren der Banken, von kostenlos bis zu 10 Euro pro Monat, sehr unterschiedlich. Auffällig dabei sind vor allem die hohen Grundgebühren der Filialbanken und die oftmals noch zusätzlich erhobenen Postenentgelte. Obwohl die Direktbanken hier, aus finanzieller Perspektive, einen großen Vorteil aufweisen, ist es jedoch fraglich inwieweit bedürftige Menschen, wie Obdachlose und Asylbewerber, in der Lage sind ihre Bankgeschäfte online zu erledigen. Dies würde einen Computer oder ein Smartphone und Internet voraussetzen. Dabei gilt es, im Besonderen für die Migranten, die Sprachbarriere zu bewältigen, um überhaupt den Antrag eines Basiskontos erfolgreich stellen zu können. Für die erfolgreiche Eröffnung des Basiskontos werden diverse Unterlagen benötigt, wie dem vollständig ausgefüllten Eröffnungsantrag und einem Identifikationsdokument.

Zusammengefasst ergeben sich diese fünf Hürden bzw. Probleme, zur Eröffnung eines Basiskontos:

  • Überwindung der Sprachbarriere (z.B. durch Mehrsprachigkeit von Antragsformularen, Mitarbeitern der Banken und der APPs)
  • vollständige Unterlagen (Eröffnungsantrag und Identifikationsdokumente)
  • hohe Grundgebühren der Filialbanken
  • zusätzlich erhobene Postenentgelte
  • bei Direktbanken: Notwendigkeit von Internet bzw. Computer oder Smartphone

Identifikationsdokumente dienen zur Identifizierung nach dem Geldwäschegesetz. Diese Dokumente sind gültige amtliche Ausweise, die ein Lichtbild des Inhabers enthalten und mit denen die Ausweispflicht im Inland erfüllt werden kann. Zum Beispiel kommen dafür anerkannte oder zugelassene Pässe oder Personalausweise in Betracht. Außerdem sind Duldungsbescheinigungen (§60a Abs. 4 Aufenthaltsgesetz) und Auskunftsnachweise (§63a Asylgesetz) als Identifikationsdokumente zugelassen.

Sind die Gebühren für ein Basiskonto zu hoch?

Ja, sagt hier die Verbraucherzentrale zu einigen der Kreditinstitute. Basiskonten sollten und dürften nicht teurer sein, als herkömmliche Konten heißt es weiter. Damit würden einige Kreditinstitute gegen das neu eingeführte Zahlungskontengesetz verstoßen. Sechs Banken wurden bereits durch die Verbraucherzentrale abgemahnt. Darunter befinden sich auch die Deutsche Bank und die Deutsche Postbank, welche in unserem Vergleich mit Gebühren von 8,99 Euro und 5,90 Euro zu Buche schlagen.

Außerdem können an der Gebühren-Spitze auch Banken, wie die VR Bank Leipzig und die HypoVereinsbank mit jeweils 9,99 Euro und 7,90 Euro mithalten. Die günstigsten Grundgebühren bei den Filialbanken lassen sich bei der Sparda Bank Berlin, jedoch unter Voraussetzung eines Mindestgehaltseinganges von 0,01 Euro (0,00 Euro/Monat) und bei der Frankfurter Sparkasse (0,00 Euro) finden. Allerdings müssen hier, sowohl der regionale Bezug, als auch die zusätzlichen Postenentgelte beachtet werden, wodurch die monatlichen Gebühren bei starker Nutzung des Kontos höher steigen könnten, als die Gebühren der anderen Banken.

Die Direktbanken sind, im Gegensatz zu den Filialbanken, allesamt von der monatlichen Grundgebühr befreit. Auch die Postenentgelte sind aufgrund des Online-Bankings weitgehend kostenfrei. In Bezug auf die Bargeldabhebung weisen die Direktbanken allerdings starke Unterschiede auf. Die DKB ist mit 12 Geldautomaten für die dazugehörige Girokarte durch und durch Direktbank. Hier wäre nur mit Hilfe einer Kreditkarte die Bargeldabhebung problemlos möglich. Auch für die Consorsbank wäre eine Kreditkarte empfehlenswert, da mit der Girokarte lediglich in einigen Supermärkten (Penny, Netto, Rewe, Toom) kostenlos Geld abgehoben werden kann. Attraktiver wäre im Vergleich dazu, das Angebot der comdirect, da diese zur Commerzbank gehört und somit auch Teil der CashGroup ist, d.h. ein Kunde der comdirect kann an deutschlandweit 9.000 Geldautomaten kostenfrei Bargeld abheben.

Wie viel Geld steht den Asylbewerbern zur Verfügung?

Wie angekündigt wollen wir den Fokus bei den Immigranten halten, da sich bei dieser Zielgruppe die Schwachstellen der Angebote leichter nachvollziehen lassen. Nachfolgend haben wir eine Übersicht aufgestellt, mit welchen Bezügen ein Asylbewerber in seiner entsprechenden Altersgruppe und je nach Unterbringung vom Staat erhält. Asylbewerbern, die noch in der Erstaufnahmeeinrichtung leben, wird die Zuwendung zumeist bar ausgezahlt und den meisten dürfte zu diesem Zeitpunkt auch die nötige dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung fehlen. Sobald sie aber die Einrichtung verlassen wird ein Konto für diese Ayslbewerber unerlässlich, um am Leben in Deutschland teilzuhaben.

Anspruchsgruppe Asylbewerber in Auf- nahmeeinrichtung Asylbewerber außerhalb der Aufnahmeeinrichtung Asylbewerber nach 15 Monaten in Dtl. (=Regelsatz des SGB II)
Alleinstehende 135,00 Euro 216,00 Euro 409,00 Euro
Partnerschaft in einem Haushalt 122,00 Euro 194,00 Euro 368,00 Euro
weiterer Leistungs- berechtigter ohne eigenen Haushalt 108,00 Euro 174,00 Euro 327,00 Euro
Kind 0-6 Jahre 79,00 Euro 133,00 Euro 237,00 Euro
Kind 7-14 Jahre 83,00 Euro 157,00 Euro 291,00 Euro
Kind 15-18 Jahre 76,00 Euro 198,00 Euro 311,00 Euro
Quelle: Asylbewerberleistungsgesetz, SGB II (Zuwendungen pro Monat)

Kosten für eine Auslandsüberweisung von Deutschland nach Afghanistan

Um Situation etwas auf die Spitze zu treiben, möchten wir nun beispielhaft Geld in Ausland transferieren. Die meisten Asylbewerber wollen häufig ihre zurückgelassenen Familien unterstützen und sind so auf den Service der Auslandsüberweisung angewiesen. Exemplarisch haben wir in der folgenden Tabelle die Kosten für eine Auslandsüberweisung in Höhe von 300,00 Euro von Deutschland nach Afghanistan oder Syrien dargestellt. Der Empfänger soll hierbei keinerlei Gebühren übernehmen, daher wird die Überweisung nach der “OUR” Regel durchgeführt. Zwischen unserem Platz 1 und dem letzten Platz liegen über 17 Euro Unterschied und dies lediglich für eine einzige Auslandsberweisung. Bei häufigen Transfers ins Ausland besteht also an dieser Stelle die Möglichkeit viel Geld zu sparen.

Auf Platz 1, hinsichtlich der Kosten für eine Auslandsüberweisung, steht die comdirect mit Gebühren in Höhe von 20,40 Euro, dicht gefolgt von der ING-DiBa, welche ein Entgelt von 22,00 Euro verlangt. Unseren Platz 3 belegt die Commerzbank mit 27,50 Euro, womit sie gleichzeitig auch die günstigste Filialbank ist. Ab Platz 4 klettern alle weiteren Banken auf über 30,00 Euro. So belegen die Sparkasse Leipzig und die Deutsche Bank die Schlussplätze, da ihre Gebühren sogar erst bei 36,55 Euro beginnen. Zur deutschen Postbank und zur Frankfurter Sparkasse können leider keine konkreten Angaben gemacht werden, da diese Banken keine Fremdkostenpauschale anbieten. Die endgültigen Kosten können daher nur mit Hilfe der Daten zum Fremdentgelt der ausländischen Bank gemacht werden.

Kreditinstitut Grundgebühren Fremdkosten- pauschale zusätzliche Kosten Kosten insgesamt
comdirect 7,90 Euro 12,50 Euro 0,00 Euro 20,40 Euro
ING-DiBa 10,00 Euro 12,00 Euro 0,00 Euro 22,00 Euro
Commerzbank 12,50 Euro 12,50 Euro 2,50 Euro 27,50 Euro
HypoVereinsbank 5,00 Euro 25,00 Euro 0,00 Euro 30,00 Euro
Consorsbank 19,95 Euro 12,50 Euro 0,00 Euro 32,45 Euro
DKB 12,50 Euro 20,00 Euro 0,00 Euro 32,50 Euro
Volks- und Raiffeisenbank 13,00 Euro 17,50 Euro 2,50 Euro 33,00 Euro
Sparda Bank Berlin e.G. 12,50 Euro 20,00 Euro 0,50 Euro 33,00 Euro
Deutsche Bank 10,00 Euro 25,00 Euro 1,55 Euro 36,55 Euro
Sparkasse Leipzig 15,00 Euro 20,00 Euro 3,00 Euro 38,00 Euro
Deutsche Postbank 1,50 Euro nach Absprache 0,00 Euro fehlende Angabe
Frankfurter Sparkasse 12,50 Euro nach Absprache 3,00 Euro fehlende Angabe
Quelle: Eigene Berechnungen

Wie viel Geld fließt zurück in die Heimatländer?

Einer Studie zufolge schicken Migranten im vergangenen Jahr knapp eine halbe Billion Doller zurück in ihre Heimatländer. Dies sind rund 150 Milliarden Doller mehr als noch vor 10 Jahren. Den Untersuchungen des Internationalen Agrarentwicklungsfonds (Ifad) zufolge, stiegen die Überweisungen nach Asien mit einem Wachstum von 87 Prozent am stärksten an. Rund die Hälfte der 445,3 Milliarden Doller wurde aus nur zehn Ländern geschickt:

  • USA
  • Russland
  • Deutschland
  • Frankreich
  • Großbritannien
  • Italien
  • Saudi-Arabien
  • Vereinigte Arabische Emirate
  • Kuweit
  • Katar

*Die Reihenfolge der Länder stellt keine Priorisierung dar

In Abhängigkeit mit dem hohen Anstieg an Transfers in die Heimatländer, wuchs auch die Anzahl der Auswanderungen, aus den Entwicklungsländern, um 28 Prozent. 200 Millionen Migranten, die in anderen Ländern arbeiten, versorgen momentan rund 800 Millionen Familienmitglieder weltweit. Die größten Summen seien aus den Vereinigten Staaten (117 Mrd.), Europa (115 Mrd.) und den Golfstaaten (100 Mrd.) gekommen. Die Überweisungskosten für all die Auslandstransfers liegen bei etwa 30 Milliarden Doller pro Jahr.

Wohin gehen die Auslandsüberweisungen

Bei welcher Bank sollte ich ein Basiskonto eröffnen?

Laut aktuellen Zahlen zu Asyl vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wurden im Jahr 2016, 65,7 Prozent männliche und 34,3 Prozent weibliche Antragsteller erfasst (im Jahr 2015 lag das Verhältnis noch bei knapp 70% männlich und 30,8% weiblichen Asylbewerbern). In den Altersgruppen von 16 bis unter 18 Jahren waren über 80 Prozent männliche Antragsteller vertreten und auch in den Altersgruppen von 18 bis unter 25 Jahre waren es noch mit 76 Prozent und in der Altersgruppe von 25 bis unter 30 Jahren noch über 70 Prozent.

Beispielrechnung 1 – Alleinstehende

Somit lässt sich sagen, dass der größte Teil der Flüchtlinge aus jungen Männern besteht. Aufgrund dieser Annahme bezieht sich unsere erste Beispielrechnung auf einen alleinstehenden jungen Migranten.

Ausgangssituation: ein Asylbewerber aus Afghanistan, 16 Monate Aufenthalt in Deutschland, außerhalb der Aufnahmeeinrichtung erhält monatlich 409,00 Euro staatliche Zuwendung. Er überweist jeden Monat Geld zu seiner Familie nach Afghanistan (Im Durchschnitt gehen 300 Euro pro Geldüberweisung von Europa in Drittländer)

Eine Alternative zu den Banken für Auslandsüberweisungen bieten verschiedene Transferanbieter, wie zum Beispiel Azimo, TransferWise und Western Union. Wenn wir in unserem Beispiel bleiben und der junge Afghane schätzungsweise 300,00 Euro zu seiner Familie nach Afghanistan schicken möchte, würden bei diesen drei Transferdienstleistern folgende Kosten auf ihn zukommen:

  1. Azimo: unterstützt keine Geldtransfers nach Afghanistan*
  2. TransferWise: unterstützt keine Geldtransfers nach Afghanistan*
  3. Western Union: online oder über eine Filiale werden bei 300,00 Euro Transfersumme, Gebühren in Höhe von 26,50 Euro berechnet*

*Auch Syrien wird von Azimo und TransferWise nicht bedient, Western Union hingegen bietet den Transfer zu gleichen Konditionen wie nach Afghanistan an. Gerade ein Transfer in “Problem-Länder” wie Syrien und Afghanistan ist über viele Transferdienstleister leider nicht möglich, obwohl gerade da das Geld am dringendsten benötigt wird.

Angenommen der junge Mann wäre Kunde bei der VR-Bank Leipzig, dann würden auf ihn monatlich 10,00 Euro Kontoführungsgebühren zukommen und für eine Überweisung von seinem VR-Bank-Konto nach Afghanistan würden ihm 33,00 Euro Kosten entstehen (mindestens 2,50 Euro Courtage, 0,15% oder mindestens 13,00 Euro Grundgebühren zzgl. anstelle fremder Entgelte, sofern diese höher sind nochmals 17,50 Euro, somit kommt ein Betrag von 33,00 Euro zu Stande (2,50€+ 13,00€+ 17,50€). Der Afghane würde nur für die Kontoführungsgebühren und eine Auslandsüberweisung also 43,00 Euro zahlen müssen. Dies entspricht schon über 10 Prozent von seinen monatlichen Einkünften. Da gerade die bedürftigen Menschen auf jeden Cent achten müssen, ist dies ausgesprochen viel Geld. Die Entscheidung, bei welcher Bank er das Konto eröffnet ist demzufolge entscheidend für spätere Folgekosten und das Budget was ihm am Ende noch bleibt. Je nach Nutzerverhalten und Betreuungswunsch muss er sich zunächst zwischen Filial- und Online-Banking entscheiden.

Wenn nur wenige Buchungen auf seinem Konto eingehen, würde sich für den alleinstehenden Afghanen das Kontenmodell der Sparda Bank Berlin anbieten. Hier wird die monatliche Grundgebühr bezüglich der Leistungen berechnet und wer wenig Leistungen benötigt zahlt damit auch weniger Postenentgelte. Außerdem wäre die Sparda-Bank Berlin eine preislich günstige Alternative. Bevorzugt er das Online-Banking sollte er sich für eine der Direktbanken entscheiden. Bei diesen ist die Online-Kontenführung sogar kostenlos.

Beispielrechnung 2 – Familie

Eine Familie aus Syrien mit 3 Kindern (8,12,15 Jahre alt) ist seit 10 Monaten in Deutschland und erhält monatlich 900,00 Euro staatliche Zuwendung. Die Familie nutzt ein gemeinschaftliches Konto auf dem jeden Monat im Durchschnitt 12 Buchungen (5 Gutschriften, 7 Lastschriften) eingehen. Außerdem nimmt die Familie durchschnittlich zwei Überweisungen im Monat vor (wovon eine ins Ausland geht). Bei den örtlichen Sparkassen (Leipzig, Frankfurt) kostet jeder Posten zusätzlich ein Entgelt. Wird von der gerade geschilderten Kontobewegung ausgegangen, so würde der Familie das Konto bei der Sparkasse Leipzig monatlich 6,87 Euro (plus die Gebühren für die Auslandsüberweisung) kosten. Wenn die Familie oder die betreffende Person also nur sehr wenige Buchungen hätte, dann wäre das Konto durchaus empfehlenswert und kostengünstig. Bei vielen Buchungen jedoch ist es ungeeignet. Für die Auslandsüberweisung nach Syrien fallen die gleichen Kosten an, wie in Beispielrechnung 1 und dem Transferland Afghanistan.
Einnahmen und Ausgaben eines Asylbewerbers

Eröffnung eines Basiskontos – Acht Filialbanken im Gespräch

Um zu wissen, wie die Eröffnung eines Basiskontos bei den verschiedenen Filialbanken funktioniert haben wir nachgefragt. Wir haben zu acht Filialbanken Kontakt aufgenommen.

Commerzbank
Bei der Commerzbank war es schon schwieriger eine Auskunft zu bekommen. Viele erfolglose Weiterleitungsversuche und Systemfehler erschwerten unsere Arbeit. Letztlich kamen wir aber doch zu unseren Informationen. Bei der Commerzbank ist ein Termin zur Eröffnung des Basiskontos erforderlich. Außerdem MUSS der Antragsteller zwingend die deutsche Sprache oder die englische Sprache beherrschen. Ansonsten ist kein Abschluss eines Kontos möglich. Die Mitarbeiter sprechen grundsätzlich deutsch und in wenigen Ausnahmen auch englisch. Für die Prüfung des Antrages kann es gerne mal 8-9 Tage dauern.

Deutsche Bank
Bei der Deutschen Bank ist es zum einen möglich, den Antrag online herunterzuladen und auszufüllen.  Und zum anderen besteht die Möglichkeit direkt in die Filiale an den Schalter zu gehen und dort die Eröffnung vorzunehmen. Dazu wäre nicht mal ein Termin notwendig. Der Antrag ist ausschließlich in deutscher Sprache verfügbar und die Mitarbeiter beherrschen lediglich Grundkenntnisse der englischen Sprache. Sollte der Asylbewerber daher nicht der deutschen Sprache mächtig sein, darf er sich zur Eröffnung eine helfende Person (z.B. Dolmetscher, Sozialarbeiter, Angehörigen) mitnehmen.

Deutsche Postbank
Bei der Deutschen Postbank ist für die Eröffnung eines Kontos ein Termin erforderlich. Da es keine Garantie dafür gibt, dass die Mitarbeiter Englisch sprechen, sollte vorsorglich eine übersetzende Person mitgebracht werden. Die Anträge sind lediglich auf Deutsch vorhanden. Außerdem sollten bereits die Identitätsdokumente mitgebracht werden, bestenfalls in Form eines Passes.

HypoVereinsbank
Die HypoVereinsbank stellt den Eröffnungsantrag für das Basiskonto sowohl online, als auch in der Filiale bereit. Das Formular für das Basiskonto ist ausschließlich auf Deutsch verfügbar. Die Ironie hierbei ist, dass für alle andern Konten auch ein englisches Formular angeboten wird. Dabei wäre es gerade für das Basiskonto, und die damit verbundene Zielgruppe der Asylbewerber notwendig gewesen, das Formular mehrsprachig zu gestalten.

Sparda Bank Berlin e.G.
Bei der Sparda Bank Berlin kann der Antrag zur Eröffnung eines Basiskontos online oder in der Filiale ausgefüllt werden. Der Antrag ist nur in Deutsch verfügbar und auch die Mitarbeiter beraten ausschließlich in deutscher Sprache. Bei Verständigungsschwierigkeiten muss der Asylbewerber selber für eine übersetzende Person sorgen, damit sichergestellt werden kann, dass der Asylbewerber auch versteht, an welchen Vertrag er sich bindet.

Sparkasse Frankfurt
Bei der Frankfurter Sparkasse dürfen lediglich Kunden mit Wohnsitz in Frankfurt ein Basiskonto eröffnen, alle anderen würden abgelehnt werden. Wenn dieses Kriterium erfüllt ist, kann sich der Antragsteller einen Termin geben lassen. Die Kommunikation ist in Deutsch, Englisch und in einigen Fällen sogar in Türkisch möglich.

Sparkasse Leipzig
Über das Basiskonto bei der Sparkasse Leipzig können sich die Interessenten lediglich in der Filiale oder per Telefon erkundigen. Online wird dieses Konto nicht beworben und ist auch nirgends zu finden. Auch bei der Sparkasse ist ein Termin nötig, um ein Basiskonto eröffnen zu können. Der Migrant darf dazu gerne jemanden mitbringen, der ihm dabei behilflich ist. Da die Mitarbeiter nur vereinzelt englisch sprechen ist es daher sogar sinnvoll, für einen fremdsprachigen Antragsteller eine übersetzende Person mitzubringen.

Volks- und Raiffeisenbank Leipzig
Bei der VR-Bank Leipzig ist ein Termin sehr sinnvoll, da ansonsten eventuell kein Kundenberater zur Eröffnung eines Basiskontos zur Verfügung steht. Eine Person zum Übersetzen darf mitgebracht werden und ist bei nicht ausreichenden Sprachkenntnissen auch dringend erforderlich. Das Antragsformular ist lediglich in deutscher Sprache verfügbar und auch von den Mitarbeitern können Englischkenntnisse nicht vorausgesetzt werden.

Alle Banken – Fazit
Bei allen Banken ist das Antragsformular zur Eröffnung des Basiskontos lediglich auf Deutsch verfügbar. Die Mehrsprachigkeit der Mitarbeiter ist bescheiden ausgebildet. Nur wenige Banken bieten auch englischsprachige Beratung an. Die Unterschiede beginnen bei der Terminvereinbarung bis hin zu den Übersetzungsmöglichkeiten zwischen Asylbewerber und Bankmitarbeiter. Bei einigen Banken kann direkt spontan vor Ort ein Basiskonto eröffnet werden, bei anderen wird hierfür ein Termin benötigt. Zum einen darf eine helfende übersetzende Begleitperson mitgebracht werden, zum anderen muss der Asylbewerber selbst verstehen, welchen Vertrag er eingeht und demzufolge die Sprache beherrschen. Von Bank zu Bank existieren kleine bis große Unterschiede, aber verpflichtet sind sie alle dem Asylsuchenden ein Basiskonto zur Verfügung zu stellen.

Merkblatt zum Thema Basiskonto auf englisch und arabisch zum Download

Ausblick für das Basiskonto

Zuwanderung nach Europa
© thinkstock Doomko

In Anbetracht an die Fertilitätsrate (Geburten pro Frau) in den Herkunftsländern der Asylbewerber und aufgrund des Familiennachzuges ist damit zu rechnen, dass in naher Zukunft noch mehr Menschen das Basiskonto beanspruchen werden. Demzufolge ist es umso wichtiger, dass die Banken gut vorbereitet sind und mit dem Basiskonto diesen Menschen eine Chance geben sich in ihrer neuen Welt zu etablieren. Das heißt zum einen, dass die Kontoentgelte angemessen sein müssen und zum anderen, dass den Bedürftigen bei der Eröffnung eines Basiskontos so weit wie möglich entgegengekommen wird. Angemessen bedeutet in diesem Fall, dass die Gebühren den marktüblichen Entgelten entsprechen und dabei das Nutzerverhalten berücksichtigt wird. Und mit Entgegenkommen sind Erleichterungen gemeint, die den Bedürftigen durch die Banken verschafft werden können. Zum Beispiel in Form eines mehrsprachigen Antragsformulars oder einer mehrsprachigen APP.

Land Geburtenrate %-Anteil der Migranten*
Deutschland 1,42 -
Syrien 3,00 36,9%
Afghanistan 5,00 17,6%
Irak 4,06 13,3%
Iran 1,93 3,7%
Eritrea 4,74 2,6%
Nigeria 6,00 1,8%
Somalia 6,61 unter Sonstige (16,5%)
Quelle: Factfish, BAMF

*Die prozentualen Angaben der Migranten beziehen sich auf die Gesamtzahl der Erstanträge von 2016. Die Anzahl der Erstanträge 2016 lag laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bei 722.370 Menschen. Wie auch schon im Jahr 2015 kamen (siehe Tabelle) die meisten Erstanträge von syrischen Asylbewerbern.

Top-Zuwanderungsländer im Jahr 2016

Fazit

Die Einführung des Basiskontos durch das Zahlungskontengesetz ist richtig und wichtig. Alle Bürger sollen und müssen die Möglichkeit haben, am wirtschaftlichen Leben im Land teilzunehmen und dafür ist ein Konto eine Grundvoraussetzung. Bezüglich der Umsetzung hapert es jedoch noch bei einigen Banken.

Filialbanken zocken sowohl bei der monatlichen Grundgebühr, als auch bei den zusätzlichen Postenentgelten ordentlich ab. Einzige Ausnahme bildet die Sparda Bank Berlin e.G.. Die Direktbanken sind im Vergleich dazu sehr kostengünstig, setzen allerdings Internet und ein internetfähiges Gerät voraus. Aufgrund von immer mehr Orten mit freiem WLAN und staatlichen Zuwendungen (in Form von Geld- und Sachleistungen) sollte das Internet auch für Flüchtlinge leicht zugänglich sein. Daher empfehlen wir, aus rein kostentechnischen Gründen, die Eröffnung eines Basiskontos bei einer Direktbank. Beachtet werden, sollten hier allerdings die Konditionen bezüglich der Bargeldabhebung und Kosten der Bargeldeinzahlung.

Asylbewerber haben monatlich nur begrenzte Mittel zur Verfügung. Ihr Einkommen ist gering und muss deswegen sorgsam eingesetzt werden. Eine mögliche und beliebte Ausgabe der Asylbewerber ist der monatliche Geldtransfer ins Heimatland. Viele Transferdienstleister bieten keinen Geldtransfer in Krisenstaaten an. Hier ist Western Union eine attraktive Lösung. Das Geld wird in einer Western Union Filiale eingezahlt und ist bereits binnen weniger Augenblicke am Zielort (z.B. Afghanistan bei einer Transfersumme von 300 Euro für ein Entgelt in Höhe von 26,50 Euro). Dort angelangt, kann der Empfänger das Bargeld abholen. Gerade in Krisengebieten und für Menschen ohne Konto ist dies eine ideale Lösung. Sollte den Zurückgebliebenen doch ein Konto zur Verfügung stehen, kann das Geld auch über die Hausbank ins Ausland transferiert werden. Hier sind die comdirect und die ING DiBa am kostengünstigsten mit Gebühren in Höhe von 20,40 Euro und 22,00 Euro pro Auslandsüberweisung in Höhe von 300 Euro nach Afghanistan.

Der Grundgedanke des Basiskontos, ist die gesellschaftliche Integration aller Verbraucher. Banken dürfen sozial schwächer gestellten Menschen keine Kontoeröffnung mehr verweigern. Aufgrund der aktuell starken Zuwanderung sind gerade Flüchtlingsfamilien die Nutzer der Basiskonten. Fakt ist allerdings, dass die Banken auf die neuen Bürger schlecht vorbereitet sind. Mehrsprachige Antragsformulare sind gar nicht und günstige Konditionen nur sehr selten zu finden. Um weitere Asylbewerber zu integrieren und den Familiennachzug erfolgreich zu managen besteht hier in Zukunft ein großer Nachholbedarf für die Banken.

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Weiterführende Links

Quellen


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