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Europäische Lösung für Finanzmarkt-Regeln?

22. Juni 2009

Noch ist in vielen Bereichen der Wirtschaft und des Finanzmarktes vollkommen unklar, in welcher Form neue Regeln für die Zukunft so gravierenden Einbrüchen vorbeugen können, wie sie in den vergangenen zwei Jahren mitzuerleben waren. Während in den USA die ersten Großbanken damit beginnen, ihre Staatshilfen wieder zurückzuzahlen und somit zur alten Unabhängigkeit zurückzufinden, gibt es hierzulande aus dem Bankensektor selbst Stimmen, die nach einer europäischen Lösung für die Finanzmärkte rufen.

Einer der ersten Befürworter, der sich zugunsten eines umfangreichen Regelwerks für den Bankensektor stark macht, ist Commerzbank-Chef Martin Blessing. aus seiner Sicht sind Reglementierungen unerlässlich. Aus verschiedenen Gründen. Einerseits müsse alles getan werden, um das Vertrauen der Verbraucher in die Branche zurück zu gewinnen. Wenn die Bedingung für dieses Vertrauen die Schaffung neuer rechtlichen Rahmenbedingungen notwendig ist, müsse man gemeinsam in den sauren Apfel beißen.

Als einen weiteren Grund für den Bedarf an Richtlinien für die Bankenbranche sieht Blessing das schlechte Gedächtnis vieler seiner Kollegen. Kaum liege die akute Phase der Finanzkrise ein paar Monate zurück und die ersten großen Wunden seien verheilt, da vergessen viele Unternehmen bereits, wie nah sie wirtschaftlich am Abgrund gestanden haben und dass sie nur mithilfe der Bürgschaften und Kredite des Staates gerettet werden konnten. Mit dem Ergebnis, dass alte Verhaltensmuster und Ziele – nämlich möglichste hohe Gewinne und Rendite – wieder Überhand nehmen, ohne aus eigener Erfahrung aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen.

Regelwerk ist nötig als Schutzmechanismus

Wie schnell die Auswirkungen der Krise in Vergessenheit geraten, sieht Blessing derzeit unter anderem in den USA und Großbritannien bestätigt. Schon jetzt werden bei verschiedenen Banken wieder regelrecht utopische Bonuszahlungen für die Manager zugesichert und bereits gezahlt. Dabei hatte vor allem in Übersee der Staat erst zu einer Senkung oder einem Wegfall dieser Sonderzahlungen geführt.

Auf die Selbstregulierungs-Kräfte des Marktes zu vertrauen, hält der Commerzbank-Chef für den falschen Weg. Dass diese Hoffnung nur in sehr überschaubarem Rahmen berechtigt ist, zeigten die momentanen Rückfälle vieler Banken in ihre früheren Vorgehensweisen. Als ideal bezeichnet der Experte eine Lösung, die für ganz Europa bzw. die Mitgliedsstaaten der EU Gültigkeit hat. Angesichts der engen Verknüpfung könnte ein solcher Ansatz verhindern, dass der Zusammenbruch einzelner nationaler Wirtschaften einem Domino-Effekt gleich andere Länder mit in die Krise zieht. Die Vergangenheit habe gezeigt, wie wichtig ein gemeinsames vorausschauendes Denken für Europa geworden ist, um im wirtschaftlichen Miteinander arbeiten und funktionieren zu können.