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Commerzbank will nicht erster Bad Bank Kunde werden

10. Juli 2009

Allein die Tatsache, dass der Bund im Besitz von einem Viertel der Anteile plus einer zusätzlichen Aktie der Commerzbank – der zweitgrößten deutschen Bank – ist, machte die Bank zu heißesten Anwärter auf die Vorreiterrolle bei der Nutzung einer nagelneuen Bad Bank. Dorthin sollen die deutschen Banken mit hohem Abschreibungsbedarf nach der Finanzmarktkrise bekanntlich die so genannten toxischen Wertpapiere auslagern können. Doch ausgerechnet bei der Commerzbank will man von dieser Schlüsselposition bei der Entstehung der Bad Bank rein gar nichts wissen im Augenblick.

Oberwasser erhält die Bank in dieser Sache vor allem durch die aktuellen Zahlen für das zweite Quartal 2009, in dem die Commerzbank schon deutlich besser aufgestellt scheint als im ersten Vierteljahr. Von diesen Vorgaben verspricht sich der Firmenkunden-Chef Beumer nun auch an der Börse positive Entwicklungen, auch wenn der Optimismus einstweilen nicht dahin zielt, dass die Bank Gewinne macht. Lediglich die Verluste der Großbank fallen momentan geringer aus, was zwangsläufig mit einer gehörigen Portion Zweckoptimismus als mögliches Ende der Krise beim Unternehmen ausgelegt wird.

Bilanzen schön geredet?

Die Analysten sehen dies allerdings etwas anders. Denn nicht wenige unter ihnen erwarten eher steigende Verluste bei der Commerzbank. Und so liegt denn auch nahe, dass es sich bei der Ablehnung der Führungsposition für die Auslagerung von verlustreichen Aktien ins Gefüge der Bad Bank vor allem um einen taktischen Schachzug handelt.

Wie so oft gilt scheinbar nach wie vor das Motto: Wer sich zuerst bewegt, verliert. Keine der bedürftigen deutschen Banken will in dieser Sache den Anfang machen, weil die Meldungen den Aktienkurs und die Aufstellung der Bank zunächst verschlechtern könnten. Selbst wenn sich die Ausfälle aus kritischen Börsengeschäften noch so drastisch auswirken, das Unternehmen mit Bad Bank-Bedarf möchte wieder einmal niemand sein. Dabei haben die Banken in den letzten Wochen so aktiv an den Ausarbeitungen mitgewirkt und immer wieder auf Mängel am bisherigen Modell des Finanzministers Steinbrück hingewiesen. Wenngleich es bei dieser Kritik fast immer um die Risiko- und Kostenverteilung bei der Bad Bank ging. Diese Verteilung sahen die Banken meist zu sehr zu ihren Lasten gehend.

Für wahrscheinlich halten Beobachter der Branche dennoch, dass die Commerzbank den ersten Schritt wird machen müssen. Denn die Bank ist aufgrund ihres großen Engagements in der Mittelsstandsförderung extrem auf gute Entwicklung in der deutschen Wirtschaft angewiesen. Und dort mehren sich bekanntlich derzeit die schlechten Nachrichten über Umsatz- und Auftragseinbrüche. Reaktionen anderer Unternehmen auf die Bad Bank und den eigenen Bedarf stehen bisher noch aus.