Wenn sich Martin Blessing, seines Zeichens Chef der Commerzbank, im Umfeld des Weltwirtschaftsforums in Davos zumindest im Kerngedanken mit den Plänen des US-Präsidenten anfreunden kann, spricht es damit nicht unbedingt grundsätzlich für die gesamte Branche. Der Manager der zweitgrößten deutschen Bank äußerte den Gedanken, dass die Ansätze – welche Form sie am Ende auch immer haben werden – aus einem einfachen Grund sinnvoll seien. Denn einerseits weise das Bankensystem teils erhebliche Mängel auf, die behoben werden müssen, um den Finanzsektor endlich zur notwendigen Ruhe kommen zu lassen.
Vor allem aber ist der Commerzbank-Chef scheinbar von der eigenen Branche nicht sonderlich überzeugt. Die Banken selbst seien nicht imstande, ein Umdenken beim Spekulieren umzusetzen. Dies zeichne sich, so Blessing in seiner Stellungnahme zur möglichen staatlichen Regulierung, schon jetzt ab, da viele Institute bereits seit einiger Zeit wieder vorgingen, als habe man gar nicht gerade erst um Haaresbreite einen Zusammenbruch des Finanzsystems abgewendet.
Nun mag mancher Bankenmanager sagen, der Commerzbank-Chef habe gut Reden. Immerhin ist die Commerzbank ohnehin zum Teil in staatlicher Obhut und muss sich zumindest ansatzweise nach dem Willen der Regierung richten. Dabei äußerte Blessing nicht, wie genau die Reglementierungen durch die Politik aussehen könnten. Vorstellbar ist jedenfalls für den US-Präsidenten Barack Obama, dass die früher deutlich gezogene Trennung zwischen Instituten mit Engagements im klassischen Bankengeschäft und den Investmentbanken wieder eingeführt werden könnte. Aktivitäten im Bereich des Eigenhandels sollten so für die meisten Verbraucherbanken verhindert werden.
Banken mit Bedenken bezüglich erneuter politischer Intervention
Strengere Regeln vonseiten der Politik? Damit rechnet auch der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, sollte die Branche nicht aus eigener Motivation striktere Vorgaben aufstellen als Orientierungshilfe für Investments. Für die meisten Banken ist dieser Gedanke eine regelrechte Bedrohung. Die Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers hatte zum Jahresende insgesamt 440 Teilnehmer aus dem Bankensektor, Vertreter von Aufsichtsbehörden und Insider in 49 Ländern zur Risikolage im Bankenbusiness befragt. Eines der zentralen Ergebnisse der Umfrage ist die Sorge der Institute, dass eine Überregulierung des Marktes durch die Politik die Folge sein könnte, sollten erst einmal weitere Maßnahmen ergriffen werden. Staatliche Intervention gut und schön – doch die Eingriffe dürften ein bestimmtes Maß nicht überschreiten, um die Branche nicht regelrecht arbeitsunfähig zu machen.
Kritisch schätzen die Banken weltweit die Ankündigung möglicher staatlicher Einflussnahme vor allem ein, weil zeitgleich erneut eine stärkere Vergabe von Krediten an Unternehmen von den Banken gefordert wird. Das wichtigste Stichwort in dieser Debatte ist die politische Forderung nach höheren Eigenkapitalanforderungen.
Faktisch ist die Angst vor massiven politischen Vorgaben derzeit die größte Sorge der Banken. Doch was genau sie sich von den Regierungen wünschen, vermögen die befragten Manager derzeit ebenfalls nicht ausführlich zu formulieren. eines haben die Banken allerdings dennoch der Umfrage zufolge erkannt. Selten zuvor waren die Risiken der Branche so hoch wie in der derzeitigen Phase. Umso bedrohlicher wirkt diese Einschätzung vor dem Hintergrund, dass fast jeder zehnte Umfrageteilnehmer der Meinung ist, die Banken seien gut vorbereitet auf mögliche neue Krisensituationen.

