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Banken kritisieren Unternehmen für zu geringe Risikobereitschaft

20. Juli 2009

Wie sehr die eigene Position die Perspektive bei der Einschätzung bestimmter Situationen beeinflussen kann, wurde in der deutschen Wirtschaft wohl nur selten so deutlich wie derzeit. In der Debatte um die mutmaßliche Kreditklemme werden die unterschiedlichen Instanzen nicht müde, sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben und die Schuld an der Misere von sich selbst so weit als möglich fernzuhalten.

So sind es Vertreter der politischen Parteien, die wie Bundesfinanzminister Peer Steinbrück auch weiterhin verärgert über die scheinbare Zurückhaltung der Bankenhäuser sind. Diese seien schlicht nicht bereit, den Unternehmen und Verbrauchern im nötigen Umfang mit Krediten und Darlehen unter die Arme zu greifen. Die Banken indes wollen von einer derartigen Verhaltensweise in der eigenen Branche nichts wissen und wehren sich gegen die politischen Schuldzuweisungen.

Sowohl die Banken als auch die Sparkassen kritisieren die Vorwürfe von außerhalb. Keine Spur von einer Klemme bei der Kreditvergabe in Deutschland – so der Grundtenor der Bankenvertreter. Deshalb fordern sie Minister Steinbrück und andere Kritiker auf, ihre angeblich ungerechtfertigten Vorwürfe zu unterlassen. Dort bei den Bankenhäusern wie der Deutschen Bank sieht man das Problem an einer ganz anderen Stelle.

So seien nicht nur im eigenen Institut noch immer Kreditlinien verfügbar, für die es bei den mittelständischen und großen Wirtschaftsunternehmen bisher einfach keine potentiellen Nutzer gibt. Ins gleiche Horn blasen zahlreiche anderer Großbanken, die sich mit dem Gegenwind aus den deutschen Wirtschaftsverbänden konfrontiert sehen. Denn diese sind ausnahmsweise wie Minister Steinbrück der Auffassung, die Weitergabe der Kreditmittel sei mehr als unzureichend, bei vielfach zu hohen Zinssätzen. Und das obwohl die Zentralbank niedrigverzinste Gelder bereitgestellt hat.

Unternehmen zu vorsichtig bei den Investitionen

Erwiderung erhalten die Kritiker in dieser Sache aus dem Bankensektor nur in Form der aktuellen Daten. So ist die so genannte Kreditausreichung verglichen mit dem Vorjahr seit April gestiegen. Dass das erhoffte Kreditwachstum bisher ausgeblieben ist, liege nicht an den Banken. Vielen Unternehmen fehle es einfach an der Risikobereitschaft, die für die Bewältigung der Wirtschaftskrise nötig sei, auch um wieder für mehr Beschäftigung in Deutschland zu sorgen nach Kurzarbeit und den Entlassungswellen der vergangenen Monate.

Noch sei eine Verbesserung der momentanen wirtschaftlichen Schieflage möglich. Denn schon für den bevorstehenden Herbst befürchten Analysten bei den Banken, dass aufgrund zunehmender Rezession die Zahl der Unternehmenspleiten deutlich ansteigen könnte. Die daraus resultierenden Kreditausfälle würden dann tatsächlich zu mehr Zurückhaltung bei der Kreditvergabe führen. Handlungsbedarf sehen die deutschen Sparkassen und die Bankenhäuser somit nicht bei sich selbst, sondern in der Wirtschaft selbst. Doch gerade von dieser Stelle kommt die heftigste Kritik. Kurz und knapp könnte die Einschätzung somit wie folgt auf den Punkt gebracht werden: Die Kreditproblematik ist da, doch niemand will sie ausgelöst haben.