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Banken in Russland fürchten neue Richtlinien für Eigenkapitalversorgung

23. Dezember 2009

Einer der bekanntesten Befürworter einer Anhebung der erforderlichen Eigenkapitalversorgung bei den deutschen Banken ist Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann. Mehrfach sprach er sich in den vergangenen Monaten für mehr finanzielle Eigenverantwortung bei den Vertretern der deutschen Bankenbranche aus. Kein Wunder, schließlich steht sein Unternehmen als größte deutsche Bank verglichen mit vielen anderen Instituten deutlich besser da, weil die Bank relativ unbeschadet durch die Finanzkrise manövrieren könnte.

Tatsächlich aber geht es den Banken hierzulande noch recht gut, zumindest im Vergleich mit der russischen Bankenbranche. Lange Zeit galt das Land als florierender Standort für Banken. Inzwischen sind auf dem russischen Markt bereits über 1000 unterschiedliche Institute beheimatet. Doch die Krise hat bei vielen vormals gut aufgestellten Banken deutliche Spuren hinterlassen. Bisher mussten mehr als 40 Bankenhäuser in Russland allein in diesem Jahr den Weg in die Insolvenz antreten.

Die Lehman Brothers-Pleite und ihre globalen Folgen

Seit der Pleite der US-Bank Lehman Brother sind es sogar 62 Banken, die sich wirtschaftlich der aufkommenden Rezession beugen mussten. Doch bei dieser Zahl der Pleiten wird es nach den Prognosen von Analysten eher nicht bleiben. Der andauernde Prozess der Konsolidierung wird mit großer Wahrscheinlichkeit noch etliche andere Banken die Existenz kosten, so die Vorhersagen. Für diese Entwicklung sprechen mindestens zwei Gründe. Einerseits scheint sich die Branche schlicht zu schnell entwickelt zu haben.

So könnte im Grunde von Anfang an nicht genug Platz für eine solch große Zahl von Unternehmen im Bankensektor gewesen sein. Einer, der diese Theorie unterstützt, ist unter anderem der russische Finanzminister Kudrin. Der Politiker geht davon aus, dass bestenfalls etwa 50 Prozent der Konzerne der Branche überhaupt als gesund bezeichnet werden können zum jetzigen Zeitpunkt. Als eine weitere Last für die russischen Banken (wie auch andere Institute in anderen Teilen der Welt) könnten sich nun ab dem kommenden Jahr die international in Kraft tretenden Regulierungsmaßnahmen präsentieren.

Noch mehr Pleiten ab 2010 wegen sukzessiver Anhebung der Mindestrücklagen?

Denn schon ab dem 1. Januar 2010 entsteht eine deutlich höhere Verpflichtung zur Eigenkapitalversorgung für die Banken. Was aus rein wirtschaftlicher natürlich durchaus sinnvoll ist, weil die Banken am Ende dank höherer Mindestanforderungen für die Eigenkapitaldecke besser mit finanziellen Ausfällen werden umgehen können, wird sich für schwächere Banken vielfach als ernste existenzielle Bedrohung erweisen und zu einer noch umfangreicheren und schnelleren Konsolidierung des Bankenmarktes führen.

Und zwar im Ernstfall über Jahre hinweg. Die Vorgaben für das Stammkapital ab 2010 werden schrittweise angehoben. Ab 2010 muss jede Bank mindestens über 90 Millionen Rubel Eigenkapital verfügen. Dies mag noch ein Großteil der Banken überstehen. Doch schon 2012 beläuft sich das Minimum auf 180 Millionen Rubel, ab 2014 dann wird eine Milliarde Rubel als Mindestsumme für die Ausstattung mit Eigenkapital als obligatorisch festgelegt. Spätestens dann wird es aus Sicht von Branchenkennern ums nackte Überleben gehen, um es theatralisch zu formulieren.