Ertragsprobleme von Filialbanken

Weil es in den eigenen Spardosen nur noch leise klappert, müssen Banken umdenken. Die Branche wird gerade mit voller Wucht von neuen Rahmenbedingungen und Entwicklungen getroffen. Teils so hart, dass einige Marktteilnehmer von der Bildfläche verschwinden werden. Betroffen sind vor allem klassische Filialbanken. Ihnen droht der Kollaps, wenn sie ihr Geschäftsmodell nicht überarbeiten. Die sinkenden Erträge sind dabei kein Problem, das man einfach aussitzen kann.

Die fetten Jahre sind vorbei

Skyline verschiedener Bankenhäuser, Beispiel Frankfurt

© Fotolia.com – MaxFrost

Anders ausgedrückt: Die fetten Jahre sind vorbei. Die Ertragslage am Bankenmarkt ist weit entfernt von dem, was man in den 1970er und 1980er Jahren gewohnt war. Seinerzeit stand jährlich ein Plus von durchschnittlich zehn Prozent in den Bilanzen. Inzwischen ist die Rentabilität spürbar gesunken. Dafür sind vier Trends verantwortlich, denen die DZ Bank AG eine eigene Research-Publikation gewidmet hat: »Eigenkapitalrendite deutscher Banken unter Druck« (Konjunktur und Kapitalmark, Mai 2015). Geprägt wird die mittel- bis langfristige Entwicklung der Bankenbranche in Deutschland demnach vor allem

  • vom Umfeld extrem niedriger Zinsen,
  • der Reform der Bankenregulierung,
  • dem demografischen Wandel
  • und dem Fortschritt der Informationstechnik.

Jeder dieser Trends hat bereits für sich das Potenzial, Banken das Leben schwerer zu machen. In der Summe ergibt sich ein erdrutschartiger Ruck.

Konten in Deutschland (Zahlen in Millionen)

Kontenerfassung 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Girokonten 85,5 90,9 91,1 91,5 94,0 95,0 95,7 96,8 98,5 102,3 99,5
davon Onlinekonten 33,3 35,3 35,4 38,2 42,3 45,3 48,2 50,6 54,2 56,7 59,9

Quelle: Bankenverband

Quellen:

  • Bankenverband

Onlinebanking: Prozentualer Anteil der Nutzer im Alter von 16 bis 74 Jahren

Land 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Deutschland 32 35 38 41 43 45 45 47 49 51
Dänemark 57 57 61 66 71 75 79 82 84 85
Estland 48 53 55 62 65 68 68 72 77 81
Niederlande 59 65 69 73 77 79 80 82 83 85
Finnland 63 66 72 72 76 79 82 84 86 86
Frankreich 18 34 40 43 50 51 54 58 58 58

Quelle: EC Europa

Seit dem Jahr 2006 hat die Nutzung des Onlinebanking intensiv zugenommen und ist von 34 Prozent aller Nutzer auf 55 Prozent gestiegen, das heisst, dass in Deutschland mehr als die Hälfte aller Bankkunden ihre Bankgeschäfte via Onlinebanking tätigen und auf Filialbanken in diesem Sinne nicht mehr angewiesen sind.

Infograik Kreisdiagramm zu Bilanzsummen deutscher Banken 2013

© Franke Media

Niedrige Zinsen machen auch Banken zu schaffen

Besonders tief sind die Einschnitte, die von der Niedrigzinsphase verursacht werden. Die Folgen, die sich für Banken nach und nach abzeichnen, werden in den kommenden Jahren noch drastischer zu spüren sein. Selbst dann, wenn die Zinsen langsam wieder anziehen sollten, braucht es seine Zeit, ehe die Gewinne das ursprüngliche Niveau erreicht haben. So wundert es uns auch nicht, dass kaum noch Banken ein Girokonto mit Zinsen aufs Guthaben anbieten, wie unser Vergleich zeigt. Die Anzahl der Institute, bei denen Verbraucher noch Guthabenzinsen erhalten, lässt sich inzwischen an einer Hand abzählen.

Entwicklung des Bankensektors

2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Banken 2301 2277 2169 2128 2093 2080 2053 2029 1990 1960
Filialen 42633 42100 41734 41009 40276 39799 38336 38225 37293 36005
Mitarbeiter* 681300 680450 675000 663000 657100 653550 648950 645550 640050 627150
Bilanz-
summe**
7190 7626 7956 7510 8352 8467 8315 7604 7853 7708

* im Kreditgewerbe / Zahlen: alle Banken; ** alle Banken in Mrd. Euro

Quelle: Bankenverband

Die Zinsüberschüsse steigen wieder

Mess- und sichtbar werden die Auswirkungen der anhaltend niedrigen Zinsen durch den sogenannten Zinsüberschuss. Die Differenz von Zinsertrag und Zinsaufwand macht den Großteil des operativen Ergebnisses aus. Laut Bundesbank basieren die Gewinne der Branche zu 72 Prozent alleine auf dem zinsabhängigen Geschäft.

Diese Sparte hat sich bis 2013 trotz Niedrigzins weitgehend positiv entwickelt. Profitiert haben die Banken hier von langfristigen Krediten, die noch zu deutlich höheren Zinsen abgeschlossen wurden. Da diese Darlehen langsam auslaufen, leidet der Zinsüberschuss. Von 2013 zu 2014 hat sich der Gewinn deshalb bereits merklich abgeschwächt. Dieser Druck nimmt auf lange Sicht zu.

Trotz weiterhin sinkender Zinserträge steigen die Zinsüberschüsse seit 2014 wieder deutlich an. Dies ist mit dem Rückgang der Zinsaufwendungen zu begründen.

Denn auch Kredite zu den aktuell günstigen Konditionen werden auf mehrere Jahre abgeschlossen. Gerade bei Immobiliendarlehen machen sich Verbraucher die derzeitigen Rahmenbedingungen mit einer längeren Zinsbindung zunutze. Werden die Zinsen nun angehoben, stehen nach wie vor »billige« Kredite in den Büchern, während auf der anderen Seite höhere Leistungen an Sparer auf Tagesgeld oder Festgeld gezahlt werden müssen. Weniger Zinsertrag und höhere Zinsaufwendungen führen dann vorerst unweigerlich zu weiter sinkenden Zinsüberschüssen.

Zins- und Provisionsüberschüsse in Millionen Euro (alle Bankengruppen)

2010 2011 2012 2013 2014 2015
Zinserträge 270.076 303.044 274.705 228.193 210.821 200.863
Zinsaufwendungen 174.658 208.318 179.200 138.709 117.423 104.978
Zinsüberschuss 95.418 94.726 95.505 89.484 93.398 95.885
Provisionserträge 42.000 41.049 39.950 40.618 42.639 44.540
Provisionsaufwendungen 13.739 12.770 12.457 12.580 13.341 14.082
Provisionsüberschuss 28.261 28.279 27.493 28.038 29.298 30.458

Quelle: Bundesbank

Langfristige Kredite und täglich fällige Einlagen

Das ist allerdings nur ein Glied der Problemkette. Banken haben bedingt durch die Niedrigzinsphase auch mit dem Anlageverhalten der Sparer zu kämpfen. Der Anteil der Kundenanlagen unter den Refinanzierungsmitteln ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. 2007 lag die Quote noch bei 42,6 Prozent. Im März 2015 erreichte sie bereits einen Wert von 52,9 Prozent. Das an sich ist noch nicht problematisch. Wohl aber der Umstand, dass vor allem die täglich fälligen Refinanzierungsmittel – zum Beispiel Tagesgeld – zunehmen: von 16,9 auf nunmehr 34,8 Prozent. Dieses Kapital kann jederzeit abgezogen werden. Dadurch mangelt es Banken an Planungssicherheit. Sollten Kunden sich entscheiden, anderweitig zu investieren, drohen Refinanzierungsengpässe – zumal 75,9 Prozent aller Buchkredite langfristiger Natur sind.

Basel III drückt die Eigenkapitalrendite

Sorgenkind Nummer zwei sind die regulatorischen Maßnahmen, die im Nachhall der Finanzmarktkrise beschlossen wurden: Stichwort Basel III. Banken müssen seither deutlich mehr Eigenkapital ausweisen, um im Fall der Fälle Verluste besser auffangen zu können.

Balkendiagramm zu den einzelnen Kapitalanforderungen

© Franke Media – Kapitalanforderung an deutsche Banken

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurden die Eigenkapitalanforderungen und auch der Eigenkapitalbegriff überarbeitet. Das aufsichtsrechtliche Eigenkapital setzt sich jetzt aus dem harten und dem zusätzlichen Kernkapital zusammen, hinzu kommen das Ergänzungskapital und der neu geschaffene Kapitalerhaltungspuffer.

Kapitalanforderungen an Banken (in Prozent der risikogewichteten Aktiva)
Jahr Hartes Kernkapital Zusätzliches Kernkapital Ergänzungs-
kapital
Kapital-
erhaltungspuffer
antizyklischer Kapitalpuffer
2012 2% 2% 4%
2013 2% 2% 4%
2014 4% 1,5% 2,5%
2015 4,5% 1,5% 2%
2016 4,5% 1,5% 2% 0,625% 0-0,625%
2017 4,5% 1,5% 2% 1,25% 0-1,25%
2018 4,5% 1,5% 2% 1,875% 0-1,875%
2019 4,5% 1,5% 2% 2,5% 0-2,5%

Quelle: Frankfurt School

Die Vorschriften in Zahlen, bezogen auf die risikogewichteten Aktiva einer Bank:

  • Das harte Kernkapital muss seit diesem Jahr 4,5 Prozent betragen.
  • Das zusätzliche Kernkapital beläuft sich auf 1,5 Prozent.
  • Das Ergänzungskapital macht 2,0 Prozent aus.
  • Der Kapitalerhaltungspuffer, der von 0,625 Prozent in 2016 auf 2,5 Prozent in 2019 steigt, und
  • der antizyklische Kapitalpuffer, der von 2016 bis 2019 ebenfalls von 0,625 auf 2,5 Prozent klettert.

Diese Werte zu erreichen, dürfte den meisten Banken in der Bundesrepublik nicht schwerfallen. Das Eigenkapital wuchs von 2010 bis März 2015 um immerhin 24,8 Prozent. Der Knackpunkt: Auf der anderen Seite nahm das Geschäftsvolumen um 1,5 Prozent ab. Die Konsequenz daraus ist einfach. »Wenn für die gleichen Risikoaktiva durch Basel 3 […] mehr Eigenkapital bereitgestellt werden muss, wirkt sich das negativ auf die entsprechende Eigenkapitalrendite aus.« (Konjunktur und Kapitalmarkt, Mai 2015, Seite 3)

Weil die Refinanzierungskosten höher sind, ist Eigenkapital für Banken zudem teurer als Fremdmittel (wie zum Beispiel Kundeneinlagen). Laut Studie der DZ Bank beträgt die Differenz zwischen dem Zinsaufwand für Fremdmittel und der Eigenkapitalrendite knapp 3,5 Prozent. Je strikter die Vorgaben für die Ausstattung mit Eigenkapital werden, desto mehr steigen die Kosten. Bei einer Verdoppelung des Eigenkapitals rechnen die Experten mit einem Kostenplus von 0,2 Prozent.

Kreisdiagramm zu den Verhältnissen von Refinanzierungsmitteln deutscher Banken

© Franke Media – Refinanzierungsmittel deutscher Banken

Der demografische Wandel

Hinlänglich bekannt und damit auch für Banken durchaus handhabbar ist der demografische Wandel. Die Zahl der Einwohner wird bis 2060 von 81 auf 68 bis 73 Millionen sinken. Damit einhergehend nimmt die Zahl älterer Personen zu. Aus dieser Entwicklung resultieren wiederum andere Ansprüche der Kunden und auch ein verändertes (Spar-)Verhalten.

Zunächst einmal bedeuten weniger Einwohner auch eine geringere Nachfrage nach Bankdienstleistungen aller Art. Viel schwerer dürfte aber wiegen, dass die Sparquote im Laufe der Jahre aller Voraussicht nach negative Vorzeichen erhält. Die aktuelle Rentnergeneration ist größtenteils noch in der Lage, ein paar Euro auf die hohe Kante zu legen. Künftige Generationen werden zunehmend gezwungen sein, auf die eigenen Ersparnisse zurückzugreifen, um im Alter den gewohnten Lebensstandard halten zu können. Dadurch werden den Banken die nötigen Refinanzierungsmittel entzogen.

Die Technik – Handy statt Bankschalter

Hand tippt auf Tabletbildschirm

© Fotolia.com – WavebreakMediaMicro

Während die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft alle Banken gleichermaßen treffen, hat der technische Fortschritt vor allem Auswirkungen auf das Filialbankgeschäft. Die Dienste der Berater vor Ort werden immer seltener in Anspruch genommen. Statt die Überweisung am Schalter zu erledigen, werden die Daten kurzerhand in den PC oder das Smartphone eingegeben. Selbst Fondskäufe, Sparpläne und der Bausparvertrag können längst online abgeschlossen werden.

Damit stellt sich die Frage nach dem Sinn eines engmaschigen und damit extrem kostspieligen Filialnetzes. Dass sich die Sparkassen durchaus bewusst sind, wohin die Reise geht, beweist ihre aktuelle Werbung: Der Opa, der im Freibad per Push-Tan und Smartphone 100 Euro an den Sohn überweist. Zack, mal eben so. Es ist nicht mehr nur die junge Generation, die ihre Bankgeschäfte über das Internet abwickelt. Auch ältere Kunden haben die Vorzüge des Onlinebankings längst erkannt.

Das Filialsterben hat bereits begonnen

Das macht sich in der Bankenlandschaft bemerkbar. Die Zahl der Filialen und Mitarbeiter nimmt kontinuierlich ab. Die Ankündigung der Deutschen Bank, bis zum Jahr 2017 mindestens 200 Niederlassungen zu schließen, wurde zwar medial aufgebauscht. Letztlich ist es aber nur ein Schritt, den viele andere Kreditinstitute bereits gegangen sind. Die Liste an Beispielen ist lang:

  • Die Sparkasse Wetzlar trennt sich von 15 ihrer 49 Filialen.
  • Die Sparkasse Duisburg wird die Hälfte ihrer mit Mitarbeitern besetzen Filialen schließen.
  • Bei der Sparkasse Osnabrück stehen 17 von 58 Filialen zur Debatte.

Neue Mitspieler am Bankenmarkt

Die Butter vom Brot nehmen lassen haben sich die Filialunternehmen in erster Linie durch die Direktbanken. Die Konkurrenz wartet mit höheren Zinsen, günstigeren Krediten und niedrigeren Gebühren auf. Einzig die persönliche Beratung im Vier-Augen-Gespräch können die reinen Onlinebanken nicht bieten. Ein Service, auf den immer mehr Kunden ohnehin verzichten. Das belegen die Zahlen beim Onlinebanking, dessen Siegeszug in den 90er Jahren begann. Zwar ist noch sehr viel Luft nach oben, wenn man die aktuellen Zahlen mit denen anderer Nationen vergleicht. Doch es geht zügig voran. 49 Prozent der 16- bis 74-Jährigen nutzen bereits Internetbanking. Die Zahl der Onlinekonten beträgt knapp 54 Millionen, Tendenz steigend.

Auf diesen Zug springen jetzt auch Fintech-Unternehmen auf. Sie verbinden das Konto mit dem Smartphone. Bei NUMBER26 sind es eine App und eine Kreditkarte, die Banken das Fürchten lehren sollen. Das moderne Girokonto lässt sich komplett mit mobilen Geräten verwalten. Einkäufe werden automatisch gelistet und Ausgabenblöcken zugeordnet. Bargeld kann weltweit an Automaten abgehoben werden. Schon die Kontoeröffnung setzt auf modernste Technik. Statt sich am Postschalter zu legitimieren, reicht es, wenn der Pass beim Videochat in die Kamera gehalten wird, um die Daten abzugleichen. Danach hat man sein Konto quasi immer in der Hosentasche. Für alle, die bereits Termine und Job über ihr Smartphone organisieren, eine durchaus überlegenswerte Ergänzung. Für Filialbanken indes ein weiterer Angriff auf ihr Geschäft.

Wie können Filialbanken gegensteuern?

Düstere Aussichten also. »Die bisherigen Geschäftsmodelle tragen sich nicht mehr, es gibt kein ,weiter so’«, sagt Rüdiger Filbry, Managing Director der Boston Consulting Group. Das gilt vor allem für Banken mit Filialnetz. Einerseits hat die Filialnutzung in den vergangenen Jahren stetig abgenommen. Andererseits schlagen alleine die Flächenkosten mit 45 Prozent der Gesamtkosten zu Buche. D. h. Handeln!! Dazu mahnt auch Michael Stappel, Senior Economist bei der DZ Bank und Autor der Studie: »Insgesamt wird der Markt für filialgestütztes Retail Banking zu eng für die derzeit aktiven Anbieter.«

Was die Stunde geschlagen hat, wissen die betroffenen Banken sehr wohl. Georg Fahrenschon, Direktor des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, sieht bankwirtschaftlich schwierige Jahre auf die Branche zukommen. Er rechnet mit einer Durststrecke, auf die man sich Substanzzuwachs vorbereitet. Ins gleiche Horn stößt Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). »Wir sind aufgerufen, unternehmerisch damit umzugehen«, sagte er dem Bankmagazin.

Doch was heißt das konkret? Um den Ertrag zu erhöhen, bleiben nur zwei Wege. Die Ausgaben müssen gedrosselt und die Einnahmen gesteigert werden.

1. Weg der Einnahmensteigerung

Der erste Weg wird bereits beschritten. Indem Filialen geschlossen oder in reine Selbstbedienung-Filialen umgewandelt werden. So sinken die Kosten. Hierbei dürfen die Unternehmen den Kontakt zu ihren Kunden allerdings nicht vollends verlieren. Denn trotz der wachsenden Online-Affinität gibt es nach wie vor Verbraucher, die sich eine Filiale und einen persönlichen Ansprechpartner wünschen, gerade bei komplizierteren Finanzprodukten. Zu bedenken ist außerdem, dass die Ausweitung des Online-Angebots anfangs mit höheren Kosten verbunden ist.

Den Provisionsüberschuss steigern

Auf der Einnahmenseite gilt es, den sinkenden Zinsüberschuss zu kompensieren. Experten sehen die Zukunft im Provisionsüberschuss, der aktuell knapp 20 Prozent des Gewinns ausmacht. Er wird u. a. durch Provisionszahlungen für den Abschluss von Lebens- oder Rentenversicherung gespeist. Doch auch dieser Wert ist eher rückläufig. Vorschriften und Regularien wie das Beratungsprotokoll verunsichern eher, als dass sie Banken motivieren, das brachliegende Potenzial für sich zu nutzen. Dass die Niedrigzinsphase und der eher magere Garantiezins viele Produkte uninteressant wirken lassen, macht es nicht einfacher.

Doch es gibt noch weitaus mehr Möglichkeiten, mit den bestehenden Pfunden zu wuchern. Vorhandene Kundendaten werden viel zu selten analysiert und genutzt, um etwa gezielt Angebote zu unterbreiten, ob nun für Versicherungen, Sparverträge oder Fonds. Regional verankerte Banken wie Sparkassen und Volksbanken müssen sich darüber hinaus weit mehr auf Ihre Region und deren Anforderungen fokussieren statt auf einen breiten Markt zu schielen – gegebenenfalls mithilfe von Fusionen. Dabei spielt der Wegzug privater Bankhäuser aus kleineren und mittleren Gemeinden den lokalen Instituten durchaus in die Hand.

Der Weg aus der Krise: Kraftakt und schwieriger Spagat

500 Euro und Münzen, Schloss und Bankaufschrift

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Banken, die ihre Augen vor den Zeichen der Zeit verschließen, müssen sich über kurz oder lang mit kleineren Brötchen zufriedengeben oder damit rechnen, gnadenlos unterzugehen. Dass es soweit kommen würde, war abzusehen. Der deutsche Markt gilt schon lange als »overbanked«. Doch nicht nur der Konkurrenzkampf bringt die Branche in Wallung: Es sind vielmehr die vielen großen und kleinen Veränderungen, die sich maßgeblich auf den Bankenmarkt auswirken.

Dem gegenzusteuern wird ein Kraftakt, bei dem Filialbanken auf ihre Reserven, ihr Potenzial und die meist enge Kundenbindung setzen müssen. Dieser neue Weg funktioniert nicht, ohne alten Ballast von Bord zu werfen. Gemeint sind damit Filialen, die sich aufgrund geringer Nachfrage nicht mehr rentieren. Dass dabei auch die Zahl der Mitarbeiter reduziert werden muss, hat zweifelsohne einen faden Beigeschmack. Doch anders lassen sich die Kosten nur schwer in den Griff bekommen.

Fazit

Entscheidend wird sein, den Spagat zwischen modernem Bankgeschäft via Internet und der gezielten Beratung vor Ort zu meistern, ohne die eigene Identität zu verlieren oder Kunden zu verärgern. Leicht wird es nicht, die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Da es keine Alternative gibt, bleibt jedoch nur dieser zugegebenermaßen saure Apfel.

Redaktionsempfehlungen

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gebühren
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1. DKB - Girokonto 0,00€ 0,00% Details Antrag
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Quellen:

Konjunktur und Kapitalmarkt, Mai 2015, Bankmagazin, 7-8/2015, Bain-Studie, Gastbeitrag von Investor-Marketing, Springer Professionell, Frankfurt School, Artikel aus dem Handelsblatt, Publikation Bankenverband, ec Europa , PDF Download Bundesbank